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Criel-Plage

Wanderung nach Criel-Plage

Mehr Höhenmeter als geplant

Am nächsten Tag wollte ich zu Fuß nach in die Nachbarbucht Criel Plage. Die Wanderung zwischen Criel-sur-Mer und Criel-Plage ist kein gemütlicher Küstenspaziergang von knapp 2 km, sondern eher ein kleines Training mit Meerblick und Naturdrama inklusive. Nicht aus Laune, sondern aus sehr nachvollziehbarem Grund – Abbruchgefahr an der Steilküste. Die Kreideklippen hier arbeiten eben ständig an ihrer eigenen Neugestaltung, und manchmal bedeutet das: Weg weg oder Einsturzgefahr. Die Straßen hatten einige Höhenmeter.

Kleine Pause mit großen Begegnungen

Oben auf der Anhöhe angekommen erst einmal verschnaufen, die grünen Wiesen und die Weite genießen. Auf dem Plateau wartet dann aber genau das, was solche Umwege wieder gutmacht: ein kleiner Laden mit französischen Spezialitäten – Käse, Brot, regionale Produkte, alles so, als wäre es zufällig genau richtig so.

Die Verständigung läuft klassisch kreativ: Hände, Füße, ein Lächeln, ein paar Wörter Französisch, die mutiger klingen als sie sind – und wie immer funktioniert es perfekt. Auf unserer Reise sind uns die Normannen immer sehr freundlich und hilfsbereit begegnet.

Criel Plage: Kiesel, Weite und Gezeitenkino

Der Strand besteht aus den typischen runden Kieseln der Region. Jeder Schritt knirscht, jeder Blick geht weit hinaus auf den Ärmelkanal. Bei Ebbe öffnet sich ein breites, fast mondartiges Band aus Stein und flachem Ufer, bei Flut rückt das Meer wieder dicht an die Klippen heran.

Es ist kein Strand zum „einfach liegen bleiben“, sondern einer zum Schauen, Gehen und Durchatmen – immer begleitet vom Rhythmus der Wellen.

Wie für fast jeden Strand in der Normandie darf hier auch nicht das Karussell fehlen.

Bushaltestelle mit Planschbecken-Upgrade

Unterwegs begegnet man manchmal Dingen, bei denen man kurz stehen bleibt und sich fragt, ob das jetzt ernst gemeint ist oder sich Jemand ein Witz erlaubt.

Zum Beispiel dieses Planschbecken: vermutlich gedacht als kleine Erfrischungsstation für heiße Tage – oder als Rettungsplan für den Fall, dass der Bus wieder einmal seine ganz eigene Zeitrechnung hat.

Man weiß es nicht genau. Aber eines ist sicher: Wer hier wartet, wartet zumindest mit Stil – und notfalls mit Badevergnügen im Mini-Format.

Die Gezeiten – Ein Naturschauspiel im Zeitraffer

Ebbe: plötzlich ist da Platz – sehr viel Platz

Was eben noch Wasser war, wird zur offenen Landschaft. Der Strand wächst in die Breite und Tiefe, als hätte jemand über Nacht ein zusätzliches Stück Küste ausgelegt. Zwischen den Kieseln tauchen Felsen auf, die vorher unsichtbar unter der Brandung lagen, und kleine Rinnen zeichnen Muster in den freigelegten Meeresboden, was fast archäologisch aussieht.

Das große Suchen beginnt

Sobald sich das Wasser zurückzieht, kommen die Menschen. Nicht hektisch, eher konzentriert und mit einer gewissen Vorfreude. Mit Eimern, Taschen oder einfach offenen Händen werden die freigelegten Flächen abgesucht. Zwischen Steinen und Tang verstecken sich kleine Schätze: Muscheln, Schneckenhäuser, manchmal Krabben, die sich eilig in Pfützen retten, die gerade noch Meer waren. Jeder Fund wirkt ein bisschen wie eine kleine Belohnung für Geduld und genaues Hinsehen.

Ein Naturschauspiel im Zeitraffer

Während man noch über den Strand läuft, ist klar: Das hier ist nur ein Zwischenzustand. Die Gezeiten arbeiten ohne Pause, ziehen sich zurück, kommen wieder, verändern alles in einem ständigen Rhythmus. Und genau darin liegt der Reiz – für ein paar Stunden gehört einem eine Landschaft, die sonst unter Wasser liegt. Danach übernimmt das Meer wieder. Ganz selbstverständlich, ganz ohne Diskussion.

Criel-sur-Mer

Criel-sur-Mer – still und weit

Criel-sur-Mer liegt ruhig an der Alabasterküste – ein Ort, der nicht laut auftritt, sondern eher leise beeindruckt. Hohe Kreideklippen, ein weiter Kieselstrand und die typischen Strandhäuschen mit bunten Dächern.
Hier unten verläuft das Leben entschleunigt. Der Blick geht hinaus aufs Meer, und irgendwo zwischen Himmel und Wasser verliert sich das Zeitgefühl. So ging es uns auch.

Eine Küste, die sich langsam verabschiedet

Die Steilküste hier ist nicht nur Kulisse, sondern auch ein Ort des Wandels. Um die 1990er Jahre kam es in der Region zu größeren Abbrüchen – die Kreide hat sich Stück für Stück zurückgezogen, wie es an dieser Küste seit Jahrhunderten immer wieder passiert.

Das Ergebnis sieht man noch heute: Gebäude, die einst sicher standen, sind plötzlich gefährlich nah an der Kante. Manche Häuser wurden aufgegeben, andere stehen noch – aber eher wie stille Beobachter eines Prozesses, der längst weiterläuft. Ein bisschen surreal, wenn man direkt davor steht: Garten ja, dahinter nur noch Luft und Abgrund.

Kulinarische Rettungsinsel bei jedem Wetter

Und dann gibt es genau den richtigen Ort, egal wie das Wetter gerade gelaunt ist: das charmante Strandlokal Le Resto de la Plage. Drinnen oder draußen im „Wintergarten“ – je nach Laune des Himmels – bleibt es ein Platz, an dem man kurz innehält, während draußen an der Küste der Wolkenbruch niedergeht. Sehr freundliches Personal, gute Musik, kleine Snacks und herrlich kühles Bier. Unter der Terrasse ist das Restaurant.

Camping hinterm Hôtel Royal Albion

Direkt unterhalb des Campingbereichs taucht das Hôtel Royal Albion auf – ein Gebäude, das nicht einfach nur da steht, sondern die Entwicklung von Mesnil-Val gleich mit erzählt. Schon beim Blick darauf wird klar: Hier geht es um mehr als nur Unterkunft.

In der großen Zeit des Badetourismus in der Normandie, Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, begann die Küste sich zu verändern. Aus stillen Klippen wurden Sommerziele, aus Fischerorten kleine Ferienwelten. Erste Villen entstanden, dazu Hotels für Städter, die frische Luft und Meer suchten. In genau diese Aufbruchsstimmung hinein wurde auch das Royal Albion Teil der neuen Küstenlandschaft – eingebettet zwischen Meer, Licht und wachsendem Tourismus.
Und die Geschichte geht weiter, nur in anderer Form:

Später wird das Gelände oberhalb der Klippen nicht mehr nur Hotelkulisse, sondern auch Campingplatz. Ein stiller Perspektivwechsel – weg vom Salon, hin zum Zelt oder Camper.

Den Platz haben wir nicht direkt gefunden. Man muss am Hotel vorbei zweimal um die Kurve, bevor man auf die Wiesen kommt. Man kann sich einen Platz aussuchen und sich dann an der Rezeption anmelden und bezahlen. Es ist richtig urig da drin. Die Waschräume und Duschen sind mit viel Liebe und Geschmack passend zum Hotel gestaltet – kein typischer Camping-Standard.

Nach unserer ersten Nacht haben wir die Wiese tatsächlich ganz für uns allein. Kein Geräusch außer Wind und Möwen, kein Nachbarzelt oder Camper in Sicht. Ein außergewöhnliches Ambiente für 28 € die Nacht. Kein Wunder, dass wir bleiben: zwei Nächte an diesem Platz sind schnell beschlossen.

Übrigens gibt es eine hervorragende Boulangerie schräg gegenüber. Sehr empfehlenswert!