Start 5 Bretagne 2026 5 Concarneau

Concarneau

Kaum ein Ort verbindet bretonische Atmosphäre, maritime Geschichte und literarische Spannung so eindrucksvoll wie Concarneau. Die lebendige Hafenstadt an der Südküste der Bretagne wurde durch die Kriminalromane rund um Kommissar Dupin weit über Frankreich hinaus bekannt. Wer durch die engen Gassen der Altstadt schlendert oder am Atlantikhafen entlanggeht, erkennt viele Schauplätze wieder, die Leser und Fernsehzuschauer aus den Dupin-Geschichten kennen. Das Wahrzeichen der Stadt ist die berühmte Ville Close – eine vollständig von mächtigen Festungsmauern umgebene Altstadt auf einer kleinen Insel im Hafen. Schon beim Betreten durch das steinerne Stadttor fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Leider wussten wir nicht, dass hier Feiertag war und es war einfach zu viel los für entspanntes Fotografieren.

Zwischen Granithäusern, kleinen Geschäften und bretonischen Crêperien entfaltet sich ein besonderes Flair. Die schmalen Gassen, die alten Mauern und der Blick auf die Fischerboote verleihen Concarneau eine fast filmreife Kulisse – perfekt für die Ermittlungen von Kommissar Dupin.

Radtour zum La Cale de Beg Meil

Wir hatten wirklich einen Wetter-Jackpot. Wind, Sonne und gefühlt fast Badewetter — wenn der Atlantik nicht die charmante Kühlschrank-Eigenschaft hätte.

Vor dem Urlaub habe ich noch ganz selbstbewusst zu meinem Mann gesagt:
„Ach, hier ist es längst nicht so steil wie in der Normandie.“ Tja. Diese Aussage möchte ich hiermit offiziell zurückziehen, widerrufen und am liebsten aus allen Protokollen löschen. Den Berg sind wir zwar hochgekommen — allerdings klangen wir oben angekommen wie zwei alte Dampflokomotiven auf Klassenfahrt.

Den Berg sind wir zwar hochgekommen — allerdings klangen wir oben angekommen wie zwei alte Dampflokomotiven auf Klassenfahrt. Pfeifend aus dem letzten Loch, aber immerhin noch lebendig.

Unsere Radtour hatte alles im Programm: von der Ebbe zerfurchte Flussläufe, Berge, verwunschene Waldwege mit Bäumen links, rechts und gefühlt auch über uns, dazu Strandkulisse wie aus einem Bretagne-Prospekt. Wirklich traumhaft. Am Zipfel angekommen haben wir uns erst einmal ein Eis gegönnt und am Strand die Sonne genossen.

Das eigentliche Abenteuer kam allerdings erst auf dem Rückweg. Google Maps dachte sich offenbar: „Normale Wege kann ja jeder.“ Also wurden wir über einen Waldweg geschickt, der eher aussah wie das Trainingsgelände für Mountainbike-Profis mit Todessehnsucht. Ein kleiner Bach lief fröhlich den Berg herunter und überall Steine und Wasser — und wir mittendrin mit unseren Rädern.

Die Tour war schön und außerdem ist Abwechslung das A und O.

Mont Saint-Michel de Brasparts

Mystischer Berg in den Monts d’Arrée

Auf dem Weg nach Concarneau machen wir einen Zwischenstop an dieser Kirche. Hier haben wir einen Rundumblick auf Dünenlandschaft ganz anderer Vegetation. Ich dachte, wir sind in Zoutelande an den Dünen. Wir haben recherchiert: Am 23.07.22 gab es im Finistère einen großflächigen Brand in der Bretagne.

Mitten in den wilden Landschaften der bretonischen Monts d’Arrée erhebt sich der geheimnisvolle Mont Saint-Michel de Brasparts. Wer hier oben steht, blickt über eine der ursprünglichsten Regionen der Bretagne und wird vom Winde verweht.

Früher glaubten die Menschen, dass hier die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten verlief. Nebel, Moorlandschaften und die oft raue Witterung verstärkten den geheimnisvollen Ruf der Gegend zusätzlich: weite Heideflächen, moorige Ebenen, dunkle Hügel und ständig wechselndes Licht verleihen der Gegend eine fast mystische Atmosphäre.

Der Berg gehört zu den eindrucksvollsten Orten im Département Finistère und ist ein beliebtes Ziel für Wanderer, Naturliebhaber und Bretagne-Fans.

 

Morlaix

Streetart, steile Straßen und die verzweifelte Parkplatzsuche mit dem Camper

Eigentlich hatten wir einen ganz entspannten Plan auf dem Weg nach Concarneu. Ein bisschen durch Morlaix mit dem Fahrrad fahren, die berühmte Streetart anschauen und gemütlich einen Kaffee trinken.

Was wir nicht bedacht hatten:
Morlaix ist ungefähr senkrecht gebaut und wir sind mit dem Camper unterwegs, plus Fahrräder hinten drauf. Also quasi ein mittelgroßer Linienbus mit Fahrradschwanz.

Schon bei der Einfahrt nach Morlaix wurde klar: Hier geht es entweder steil hoch oder steil runter. Dazwischen gibt es nur kurze Momente emotionaler Erholung. Die Straßen winden sich durch die Stadt, links und recht tlw. uralte Häuser und wir mittendrin mit unserem rollenden Ferienapartment.

Unser Ziel war eigentlich ganz harmlos: irgendwo parken und die Streetart-Tour machen. Morlaix ist nämlich bekannt für seine riesigen Wandgemälde und kreative Kunst an den Häuserfassaden. Wirklich beeindruckend. Wenn man es schafft auszusteigen. Denn jeder Parkplatz in der Innenstadt ist für unser Gefährt nicht geeignet oder verboten.

Die Stadt mit ihrem berühmten Viadukt, den historischen Fachwerkhäusern, den Treppengassen und den riesigen Streetart-Werken ist absolut sehenswert.

Nur vielleicht…

  • nicht unbedingt mit einem Camper,
  • Fahrrädern hinten dran,
  • und dem naiven Glauben, „wir finden schon schnell was“. Was sonst immer geht

Am Ende haben wir zwar keinen perfekten Parkplatz gefunden, dafür aber:

  • mehrere neue Schimpfwörter erfunden,
  • unsere Kupplung getestet,
  • ein paar Werke aus dem Auto gesehen
  • und festgestellt, dass Kultur manchmal echte Opfer verlangt