Paimpol
Heute führt uns der Weg weiter nach Paimpol. Wir sind so gut wie am Atlantik angekommen. Ein kleines Stückchen fehlt noch. Die kleine Hafenstadt Paimpol in der Bretagne wirkt wie ein verstecktes Juwel an der rauen Nordküste Frankreichs. Die Küste rund um Paimpol ist von beeindruckender Schönheit: Zerklüftete Felsen, kleine Buchten und das stetige Spiel von Ebbe und Flut schaffen eine Landschaft, die gleichzeitig wild und beruhigend wirkt. Spaziergänge entlang der Küstenpfade eröffnen immer neue Ausblicke auf das offene Meer, während Möwenrufe und das Rauschen der Wellen die perfekte Klangkulisse liefern.
Im Ortskern von Paimpol prägen charmante Bruchsteinhäuser das Bild. Ihre robusten Fassaden trotzen bis heute Wind und Wetter. Enge Gassen führen vorbei an kleinen Cafés und traditionellen Geschäften. Wir haben am Hafen einen Café au lait bestellt. Ganze 1,90 € und im Eiscafé zwei „Bällchen“ für 5 € super leckeres Eis bestellt. Das war ein Genuss und fast schon zuviel, so voll war der Becher.
Die Gegend ist ein echtes Wanderparadies – vorausgesetzt, die eigenen Beine sind nicht nur Deko, sondern auch funktionstüchtig. Wir hingegen dachten uns: „Ach, das geht bestimmt auch entspannt mit dem Rad!“ Ging es nicht! Der Weg war nämlich schneller zu Ende als unsere Motivation am Montagmorgen.
Kaum hatten wir uns halbwegs eingerichtet, tauchte eine Französin auf, die uns mit einem Blick bedachte, der irgendwo zwischen „Was macht ihr da?“ und „Das ist hier kein Radweg, meine Freunde!“ lag. Sagen wir so: Ihre Meinung kam auch ohne viele Worte sehr deutlich bei uns an, wir verstehen ja kein Französisch.
Offenbar sind die Wege dort nicht ganz so fahrradfreundlich wie die guten alten deutschen Feldwege, auf denen man sich fühlt wie der König der Landstraße. Also blieb uns nichts anderes übrig, als umzudrehen und brav die Straße zu nehmen – ganz regelkonform und mit leicht angekratztem Abenteuerstolz. Die Straßen sind nämlich gut für Radfahrer markiert.
Immerhin: Am Ziel sind wir angekommen! Den Aussichtspunkt selbst hätte man allerdings nur zu Fuß erklimmen können. Und na ja… sagen wir, unsere Füße sind zur Zeit im Feierabendmodus. Also haben wir die Spitze der Landzunge Spitze sein lassen.
Die Küstenlandschaft rund um Paimpol gehört zu den eindrucksvollsten Abschnitten der Bretagne – vor allem wegen ihrer markanten Felsen und der starken Gezeiten. Die Felsen zeigen sich hier oft zerklüftet und kantig, geformt von Wind, Salz und der unaufhörlichen Kraft des Meeres. In der Region herrscht ein ausgeprägter Tidenhub: Bei Ebbe zieht sich das Meer weit zurück und legt felsige Flächen, Algenfelder und kleine Meeresbecken frei. Man kann dann auf dem Meeresboden spazieren, Muscheln entdecken oder die vielfältige Tierwelt beobachten. Bei Flut hingegen steigt das Wasser schnell an und umspült die Felsen, wodurch sich die Küste innerhalb weniger Stunden komplett verwandelt. Leider war die Flut für das Gegenfoto zu spät am Abend.
Hier haben wir übernachtet:
Bestechend die Aussicht auf das Meer. Sehr freundlicher kleiner Platz. Ein bisschen Trouble hatten wir mit dem Stromanschluß. Der funktionierte nur auf einer Seite und jetzt auch wieder nicht. Das hat unser Stromkonzept ein wenig durcheinander gebracht. Auch das Internet funktioniert nur mäßig hier. Bei Abfahrt hatten wir ziemlichen Regen, dann stehen die Toiletten ein wenig unter Wasser.
Kleines Zwischenspiel
Camping im Regen ist so eine Erfahrung, die du nie vergisst – auch wenn es nur mit einem Camper ist und zum Glück kein Zelt
Du wachst morgens auf und denkst dir noch nichts Böses. Ein leichter Trommelwirbel auf dem Dach, ganz gemütlich, ich liebe es… bis du die Tür öffnest und feststellst: Dein Stellplatz hat sich über Nacht in ein kleines ambitioniertes Feuchtbiotop verwandelt. Während du noch versuchst, deine Würde zusammenzukratzen, steht dein Camper schon halb im Wasser.
Dann kommt der Klassiker: die Fensterabdeckung. Außen klatschnass, innen auch irgendwie feucht (wie macht sie das eigentlich?). Du versuchst, dieses tropfende Ungetüm möglichst elegant zu verstauen – Ergebnis: Es endet damit, dass du alles, inklusive dir selbst, einmal komplett mit Wasser segnest. Dann noch wohin mit den nassen Keilen und Stromkabel bei einer Raumfläche von einem halben Quadratmeter. Kurzer Hand eine Mülltüte ausgerollt und Boden gesichert.
Und natürlich zieht die Feuchtigkeit auch gleich mit ins Auto ein. Es ist, als hätte sie beschlossen: „Hier bleib ich jetzt.“ Plötzlich fühlt sich alles leicht klamm an – Sitze, Kleidung, deine Laune. Du entwickelst eine sehr persönliche Beziehung zu beschlagenen Scheiben und diesem ganz speziellen „nasser Camper“-Duft. Zum Glück haben wir eine Heizung eingebaut.
Aber hey – genau das sind die Momente, die später zu den besten Geschichten werden. Also ziehst du die nassen Socken aus, kochst dir einen Kaffee und sagst dir: Beim nächsten Mal… wird alles anders.
