Tag 11 – Regen, Romantik und ein kleiner Dämpfer in Auray

Heute Morgen haben wir an der L`Amor Plage ausnahmsweise nicht auf den Regenradar geschaut, obwohl der Himmel schon verdächtig grau daherkam. Tja, kaum waren wir auf dem kurzen Weg zur Boulangerie, hatte uns der Regen auch schon komplett erwischt. Patschnass in Rekordzeit! Das ging erstaunlich schnell. Zu allem Übel musste Martin unterwegs noch sein Handy irgendwie trocken verpacken. Also standen wir da: nass, leicht genervt und mit einem dringenden Bedürfnis nach Kaffee, Frühstück und einem trockenen Plätzchen. Immerhin haben wir dank der zahlreichen Schilder den Weg zurück zum Campingplatz wiedergefunden.

Wobei wir es wahrscheinlich sogar geschafft hätten, wenn uns nicht noch die Sache mit der SIM-Karte dazwischen gekommen wäre. Denn nachdem uns die Dame im Orange-Shop in Lorient unbedingt ein 30-Euro-Abo pro Monat andrehen wollte und behauptete, eine Prepaid-Karte gäbe es nur im Tabak-Shop, wollten wir unser Glück genau dort versuchen. Wir suchen schließlich eine Orange-Prepaid-Karte für 10 Euro – schließlich funktioniert Orange an der Küste bei uns am zuverlässigsten.

Mittlerweile sind wir nämlich wirklich entnervt von unserem Internet-Abenteuer. Der Upload unserer Reiseberichte wird zur Geduldsprobe und selbst die ganz normale Handynutzung fühlt sich inzwischen an wie eine Expedition ins digitale Niemandsland. Das macht definitiv keinen Spaß mehr! Also hinein in den Tabak-Shop. Der Verkäufer schaut uns an, schaut in sein Sortiment und ist der festen Überzeugung: Diese Karte hat er nicht. Punkt!

Aber da hat er die Rechnung ohne Martin gemacht. Martin gibt nämlich nicht auf! Also wurde noch einmal mühsam im Internet recherchiert – und siehe da: Die begehrte Orange-Prepaid-Karte gibt es tatsächlich für 10 Euro genau hier im Tabakladen. Manchmal muss man eben nur lange genug suchen. Oder genauer gesagt: Martin muss lange genug suchen. Also erstmal frühstücken, die SIM-Karte einfach kaufen und dann ab nach Auray.

Auray – alte Gassen, romantische Ecken und französische Leckereien

Auray stand schon länger auf unserer Liste. Im Mai hatten wir das romantische Städtchen nämlich leider nicht mehr geschafft. Heute sollte es endlich klappen. Und tatsächlich: Parkplatz gefunden! Für Kastenwagen gibt es hier erfreulich viele Möglichkeiten. Das gefällt uns natürlich ausgesprochen gut. Also los, Richtung Oberstadt – vorbei am Hafen und hinein in die hübschen Gassen.

Nur so viel als kleine Warnung für Dich: Auray liegt nicht gerade auf einer Tischplatte. Ein paar Höhenmeter kommen schon zusammen. Aber was tut man nicht alles für ein romantisches Städtchen? Oben angekommen, erwartet uns eine wirklich schöne Mischung aus alten Häusern, kleinen Gassen und romantischen Ecken. Dazu gibt es mitten im Ort eine Markthalle, in der einem die frischen Leckereien förmlich entgegenrufen: „Kauf mich!“ Käse, Gemüse, Obst und allerlei französische Köstlichkeiten – hier könnte man sich problemlos einmal quer durch die Bretagne futtern.

Eine Creperie mit kleiner Überraschung

Auf dem Rückweg zum Auto wollten wir dann noch einen Tipp ausprobieren, den uns die nette Angestellte vom Camping Municipal in Quiberon gegeben hatte: eine bestimmte Crêperie in Auray. Karte studiert. Ich wollte eigentlich nur mal schauen, ob es dort diese hausgemachte Limonade gibt, von der wir gehört hatten. Die Karte sah vielversprechend aus. Wir wollten uns gerade hinsetzen, als ein Angestellter nach kurzem Augenkontakt fragte, ob wir Franzosen seien. Nein, sind wir nicht. Ich deutete freundlich auf den Platz, an dem wir uns setzen wollten. Was dann kam, war allerdings weniger freundlich. Irgendetwas wurde noch ziemlich abfällig kommentiert, anschließend verteilte der Herr den älteren französischen Damen seelenruhig die Speisekarten – unsere ignorierte er einfach.

Zuerst dachte ich noch: Okay, vielleicht ein Versehen. Kann ja passieren. Also warteten wir. Eine Minute. Zwei Minuten. Drei Minuten. Dann allerdings Schluss mit lustig. So viel Zeit hatte ich nun auch wieder nicht, um unsichtbar zu werden. Wir sind gegangen. Schade eigentlich. Denn bis dahin hatte ich Auray wirklich wunderschön und romantisch in Erinnerung.

Für Martin tat es mir Leid, er wollte es unbedingt ausprobieren, weil die Frau in Quiberon auch so nett fanden. Aber manchmal braucht es eben nur einen einzigen Menschen, um die Stimmung ordentlich zu verhageln. Und dafür musste es heute nicht einmal regnen. Immerhin waren wir ja auch seit 5 Uhr wach. Auray bekommt von mir deshalb trotzdem eine zweite Chance. Die Crêperie Le Yac`h allerdings eher nicht.

Ein paar kleine nette Kunstwerke habe ich noch für Dich einsammeln können. Insgesamt ist die Stadt von Kunst-Handwerk geprägt. Viele kleine Läden sowie jede Menge Ateliers gibt es hier in diesem Städtchen.

Und dann kommt die Campingplatz-Odyssee

Wir wollten anschließend weiter Richtung Le Pouliguen. Die von uns ausgesuchten Campingplätze sahen auf den ersten Blick ganz gut aus. Vor Ort stellte sich allerdings heraus: Käfighaltung deluxe. Parzelle an Parzelle, eng, dicht und irgendwie so gar nicht unser Ding. Da standen wir nun und dachten beide: Nö. Das können wir besser. Dachten wir! Also weiter Richtung Piriac-sur-Mer.

Und dort begann dann das große Campingplatz-Bingo. Voll. Nächster Platz: voll. Noch einer: privat! Beim letzten Versuch hatten wir immerhin Glück mit der Mitarbeiterin. Sie war unglaublich nett und erklärte uns den Grund für das Campingplatz-Desaster: Dieses Wochenende ist Springflut und deshalb sind praktisch alle Plätze an der Küste ausgebucht. Tja … daran muss man als unbedarfter Camper natürlich auch erstmal denken. Und damit hatten wir endgültig abgekackt. 

Letztlich haben wir in Guérande landeinwärts den ACSI Campingplatz La Fontaine für 17 € die Nacht gefunden und uns direkt bis Montag eingebucht. Der ist sehr schön, super ruhig, Sanitär einwandfrei, hat ein Schwimmbad ist aber dafür seit langem der erste, der keinen Baguette-Service bietet. Dafür muss man ca. 10 min. über die Straße bis zur Stadtmitte fahren. Macht aber nichts.

Von hier aus starten wir mit dem Rad morgen nach Saint Nazaire, ca. 1,5 Stunden!