Lorient im Segelfieber
Wir erleben den Zieleinlauf von Boris Herrmanns Malizia 4 beim The Ocean Race Atlantic – Gänsehaut inklusive!
Lorient – heute ganz im Zeichen von Boris Herrmann. Eigentlich hatten wir für heute einen ganz anderen Plan. Aber manchmal schreibt der Wind eben sein eigenes Drehbuch – und heute sogar ein ziemlich schnelles! Das große Finale des ersten „The Ocean Race Atlantic“ steht in Lorient an. Also ändern wir kurzerhand unseren Reiseplan und erklären den heutigen Tag ganz offiziell zum Boris-Herrmann-Tag.
Lorient La Base – hier schlägt das Herz der Hochseesegler
Wenn Du in Lorient La Base unterwegs bist, merkst Du schnell: Hier dreht sich vieles um die große Welt des Hochseesegelns. Die ehemalige deutsche U-Boot-Basis wurde zu einem internationalen Zentrum für Offshore-Rennsport umgebaut. Hier sitzen zahlreiche Teams, tüfteln an ihren Booten, trainieren und bereiten sich auf die großen Rennen vor. Vor allem die IMOCA-Yachten, wie die neue Malizia 4 von Boris Herrmann, gehören hier zum gewohnten Bild.
Und dann gibt es da noch die ganz großen Kaliber: Ultim-Trimarane. Wenn Du so einen dreirumpfigen Giganten zum ersten Mal siehst, fragst Du Dich unwillkürlich, ob hier gerade eine Yacht oder ein kleines Flugzeugträgerdeck am Steg liegt.
Diese riesigen Rennmaschinen sind teilweise rund 32 Meter lang und gehören mit ihren gewaltigen Ausmaßen und Foils zu den schnellsten Segelbooten überhaupt. Die Foils wirken dabei wie Tragflächen unter Wasser und können die Boote bei entsprechender Geschwindigkeit regelrecht über die Wasseroberfläche schweben lassen. Lorient ist Heimat mehrerer dieser Rennställe – unter anderem von Gitana, Banque Populaire und Sodebo.
Hier bekommt der Begriff „Schnellboot“ also eine völlig neue Bedeutung. Und wer diese Boliden einmal aus der Nähe gesehen hat, versteht sofort, warum Lorient auch als eine Art „Sailing Valley“ bezeichnet wird. Um die volle Größe zu bestaunen bitte Bild anklicken!
Das große Finale
Und genau hier endet heute das erste The Ocean Race Atlantic. Die sechs IMOCA-Yachten sind von New York aus rund 3.000 Seemeilen – etwa 5.500 Kilometer – über den Atlantik nach Lorient gerast. Gefahren wurde mit voll besetzten Crews und den hochmodernen Foiler-Yachten, die bei passenden Bedingungen Geschwindigkeiten von bis zu 40 Knoten erreichen können. Für uns natürlich besonders spannend: Boris Herrmann mit seiner brandneuen „Malizia 4“ ist dabei. Und was für ein Rennen! Über weite Strecken lag Boris mit seiner Crew ganz vorne und zeigte eindrucksvoll, was in dem erst wenige Wochen alten Boot steckt. Dann kam allerdings der Rückschlag: Auf dem Atlantik kollidierte die Malizia 4 mit einem unbekannten Meerestier. Dabei wurde das Hydrauliksystem des Backbord-Foils beschädigt. Die Crew konnte den Schaden zwar sichern, aber ganz ohne Folgen blieb der Zwischenfall natürlich nicht.
Am Ende wurde es noch einmal richtig spannend. Die ersten vier Boote kamen innerhalb von nur rund 30 Minuten ins Ziel. Boris Herrmann und Team Malizia beendeten das Rennen schließlich auf einem sehr starken vierten Platz. Nur etwa fünf Minuten fehlten zum Podium. Nach mehr als 3.000 Seemeilen ist das eigentlich kaum mehr als ein Wimpernschlag.
Und ganz ehrlich: Wenn Boris Herrmann hier heute mit seiner „Malizia 4“ einläuft, wollen wir natürlich dabei sein! Die Stimmung am Steg ist großartig. Überall stehen Menschen, die gespannt aufs Wasser schauen und darauf warten, dass endlich die ersten Segel am Horizont auftauchen. Die Vorfreude ist förmlich zu spüren.
Für mich ist das ein ganz besonderer und ehrlich gesagt auch ziemlich ergreifender Moment. Normalerweise verfolgen wir die Abenteuer von Team Malizia gemütlich von zu Hause aus – digital, mit Livetracker und ständigem Blick darauf, wo sich Boris gerade mitten auf dem Atlantik befindet. Und heute stehen wir plötzlich selbst hier in Lorient, direkt am Steg und nur wenige Meter vom Geschehen entfernt.
Irgendwie fühlt sich das gerade ein bisschen unwirklich an. Aus dem kleinen Punkt auf dem Bildschirm ist plötzlich ein echtes Boot geworden – und wir sind live dabei, wenn es nach Tausenden Seemeilen über den Atlantik hier in Lorient einläuft. Nach einem Erfrischungsgetränk radeln wir zum Campingplatz zurück. Zum Glück hatte ich vorgekocht.
Da wir zur Ebbe schon dort waren, konnte man die Wracks gut sehen. Bei Flut sind sie dann fast verschwunden.
Übernachtet haben wir auf dem Campingplatz VVF La Fontaine Lamor Plage für 30,20 € inkl. Strom. Der Sanitärbereich ist schon älter aber sauber. Die Dusche war etwas anstrengend, da ich den Knopf permanent drücken musste um das Wasser laufen zu lassen. Große Plätze unter Bäumen und kein Upload. Wie es mit dem WiFi ist, konnten wir nicht ausprobieren, weil wir zu spät zurück waren.
