Tag 2 auf der Île de Ré – zwischen Muscheln, Radwegen und Ebbe-Pech
Unser zweiter Tag auf der Île de Ré beginnt erst einmal standesgemäß: mit einem Croissant und einem Tradition. So lässt sich schließlich jeder noch so ambitionierte Tagesplan gut starten. Für heute haben wir uns eine kleine Radrundtour auf die andere Inselseite vorgenommen. Fahrradfahren ist hier grundsätzlich richtig schön – wenn da nicht diese Sache mit den Radwegen wäre. Ich fühle mich als versierte Radfahrerin nämlich manchmal ein wenig bevormundet. Auf der Straße darf man vielerorts gar nicht fahren, stattdessen wird man konsequent auf die Radwege geschickt. Und davon gibt es reichlich! Radfahrer tummeln sich hier in einer Dichte, die ich sonst eigentlich nur aus Holland kenne. Für mich ungewohnt: ständig jemand vor mir, hinter mir oder neben mir. Überholen? Gar nicht so einfach. Aber gut – ich übe mich in Geduld.
Muschelsuche mit offizieller Ausrüstung
Am Strand angekommen, haben wir ein neues Ziel: Muscheln sammeln. Das ist hier erlaubt und praktischerweise gibt es sogar eine kostenlose Muschel-Messkarte. Perfekt! Damit bewaffnet ziehen wir frohen Mutes an den von der Ebbe freigelegten Strand. Wir sind vorbereitet. Wir sind motiviert. Wir haben eine Messkarte. Was wir nicht haben, sind Muscheln. Also unverrichteter Dinge wieder zurück.
Durch die Salzfelder zum Leuchtturm
Kein Problem – Plan B muss her. Wir radeln durch die Salzfelder in Richtung Leuchtturm. Salzfelder gibt es also auch hier – ganz ähnlich wie bei unserem Besuch in Guérande. Die Landschaft ist wirklich wunderschön und unterwegs gibt es jede Menge zu sehen. Unser Muschelproblem löst sie allerdings nicht.
Am Leuchtturm angekommen, sind wir deshalb zunächst einmal ein wenig ernüchtert. Auch hier: keine Muscheln, soweit das Auge reicht. Vielleicht müssen wir doch noch einmal gründlicher recherchieren, wo die Muscheln auf der Île de Ré eigentlich Urlaub machen.
Zwei Kugeln Eis retten die Stimmung
Zum Glück gibt es für solche Momente eine bewährte Therapie: Eis! Am Leuchtturm gönnen wir uns bei La Martinière zwei Kugeln. Und was soll ich sagen? Superlecker! Damit sieht die Welt doch gleich wieder deutlich freundlicher aus.
Und plötzlich habe ich eine neue Idee: Wir gehen schwimmen! Nach ein bisschen Überredungskunst ist sogar Martin dabei. Also machen wir uns auf den Weg zum Wasser.
Tja … Ebbe sagt: Heute nicht! Als wir dort ankommen, zeigt sich die Île de Ré allerdings von ihrer ganz besonderen Seite. Das Wasser ist weg. Nicht ein bisschen weniger Wasser. Nein. Einfach weg. Stattdessen liegen vor uns Felsen, Steine und jede Menge Wasserpfützen. Dazu weht ein ordentliches Lüftchen.
Schwimmen? Gestrichen! ??
Auch die Muschelsuche fällt damit endgültig ins Wasser – beziehungsweise findet gar nicht erst statt. Dafür entdecke ich in den kleinen Wasserpfützen jede Menge interessante Dinge. Nur eben keine Muscheln. Vielleicht komme ich hier noch einmal mit meinem Makro-Objektiv vorbei. Für spannende kleine Meeresbewohner könnte sich das durchaus lohnen.
Ars-en-Ré – und der berühmte Kirchturm
Für den Kaffee steigen wir wieder aufs Fahrrad. Diesmal möchte ich unbedingt Ars-en-Ré anschauen. Schon von weitem ist der markante Kirchturm zu sehen: Der Spitzhelm der schönen Kirche besitzt eine Farbgebung schwarz -weiss. Das dient zur Navigationszwecken in der Seefahrt, habe ich gelesen. Den möchte ich mir natürlich aus der Nähe ansehen – und für Dich ein paar Fotos von dem maritimen Dorf mitbringen.
Und tatsächlich: Ars-en-Ré ist wirklich hübsch! Es gehört wohl zu den schönsten Orten Frankreichs.
Die kleinen Häuser, die engen Gassen und die maritime Atmosphäre gefallen uns richtig gut. Natürlich gilt auch hier: Wo es besonders schön ist, sind meistens auch besonders viele Menschen unterwegs.
Aber man muss ja nicht unbedingt dort bleiben, wo alle sind. In den hinteren Gassen wird es richtig schön. Wir machen deshalb genau das, was ich beim Fotografieren besonders gerne mache: Wir verschwinden ein bisschen in den hinteren Gassen.
Und siehe da – plötzlich wird es deutlich ruhiger. Hier kann man wunderbar schlendern, schauen und fotografieren. Genau mein Ding! Meine große Kamera bleibt diesmal allerdings im Kastenwagen. Die Fotos habe ich ganz unkompliziert mit dem Handy gemacht.
Kaffee mit sehr viel Milch und sehr wenig Bohne
Natürlich darf bei einer solchen Radtour der Kaffee nicht fehlen. Gegenüber der Kirche entdecken wir beim Octupus-Geschenkeladen ein kleines Café draußen. Der Platz ist richtig nett – der Kaffee leider weniger. Genauer gesagt: Das war einer der schlechtesten Cafés unserer Reise. Der hatte eindeutig mehr Milch als Bohne. Schade! Aber wir sitzen schön, lassen die Beine baumeln und genießen trotzdem den Moment. Schließlich kann man einen schlechten Kaffee auch einfach aussitzen.
Morgen: alte Steine statt Fahrradstress
Für morgen kündigt sich ordentlich Wind an. Deshalb lassen wir das Fahrrad lieber stehen und fahren mit dem Auto ins Inselinnere. Und darauf freue ich mich schon richtig! Denn morgen geht es wieder um etwas, das wir offenbar besonders gut können: alte Steine anschauen. Unser Ziel ist das Fort La Prée.
Nach Muscheln, Salzfeldern, Ebbe und einem Milchkaffee bin ich jedenfalls gespannt, was uns dort erwartet. Eines ist sicher: Langweilig wird es auf der Île de Ré garantiert nicht.
