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Decollage – Wenn Schichten Geschichten erzählen

Es gibt Techniken, die nicht durch das Hinzufügen entstehen, sondern durch das Wegnehmen. Die Décollage gehört genau dazu. Statt etwas aufzubauen, werden Schichten abgetragen, freigelegt, neu kombiniert – und genau darin liegt ihr besonderer Reiz.

Für mein aktuelles Projekt bildete ein Hauptmotiv den Ausgangspunkt, unter dem sich vier bis fünf Seiten aus dem FLOW-Magazin verbergen, die nach und nach sichtbar werden.

Die Idee hinter der Schichtarbeit

Während Collage meist vom Arrangieren lebt, erzählt die Décollage von verborgenen Ebenen. Was zunächst verdeckt ist, wird durch Reißen, Schaben oder vorsichtiges Ablösen wieder ans Licht geholt. Jede freigelegte Stelle ist eine Entscheidung – spontan, intuitiv und nie ganz planbar.

Das Hauptmotiv fungiert dabei als erste, sichtbare Ebene. Es lenkt den Blick und gibt dem Bild eine Richtung. Doch die eigentliche Spannung entsteht darunter:

Fragmente von Farben, Mustern, Texten und Illustrationen aus den FLOW-Seiten blitzen hervor und verbinden sich zu einer neuen visuellen Ebene.

Warum Seiten aus dem FLOW-Magazin?

Die Seiten des FLOW-Magazin eignen sich besonders gut für diese Technik. Sie bringen bereits eine große Vielfalt mit:

– sanfte Farbverläufe

– grafische Muster

– handgezeichnete Illustrationen

– typografische Elemente

– kleine Textpassagen mit positiven Botschaften

In der Décollage werden diese ursprünglichen Inhalte aus ihrem Kontext gelöst und bringen abwechslungsreiche Farben hervor.

Der Arbeitsprozess

Zuerst werden vier bis fünf Seiten übereinander auf den Untergrund geklebt. Noch wirkt alles wie eine geschlossene Fläche.
Erst danach beginnt der eigentliche kreative Teil:

– vorsichtiges Einreißen einzelner Bereiche

– partielles Abziehen der oberen Schicht

– Freilegen kleiner „Fenster“ in die darunterliegenden Ebenen mit dem Cutter

– bewusstes Steuern von Farb- und Formkontrasten

Manche Stellen öffnen sich ganz leicht, andere widersetzen sich – und genau diese Unvorhersehbarkeit macht den Prozess so lebendig.

Achtsamkeit im künstlerischen Prozess

Was diese Technik für mich so besonders macht, ist ihre entschleunigende Wirkung. Das langsame Freilegen der unteren Schichten hat etwas Meditatives. Jede Bewegung mit den Fingern oder dem Werkzeug verlangt Aufmerksamkeit – zu viel Druck zerstört, zu wenig bewirkt nichts.

Vielleicht passt gerade deshalb das Material des FLOW-Magazins so gut zu dieser Arbeitsweise. Die Idee von Achtsamkeit, die in den Heften steckt, setzt sich im kreativen Prozess fort. Versuche es doch auch einmal!