Marburg – Fachwerk, steile Gassen und ein Schloss mit rosa Überraschung
Wir waren bei einer Tante zum Geburtstag in Marburg eingeladen. Die Familie kam fast sternförmig aus allen Richtungen zusammen, auch Österreich und Cornwell waren dabei. Das war sehr schön! Natürlich wollte insbesondere ich auch die Stadt besichtigen. Ein Muss würde ich sagen.
Ein Wochenende in Marburg fühlt sich an wie eine kleine Reise in eine andere Zeit – und gleichzeitig mitten hinein in das junge, bunte Leben einer Universitätsstadt. Schon bei der Ankunft fällt auf: Hier geht es ständig bergauf oder bergab. Die Stadt schmiegt sich an die Hänge des Lahntals, Fachwerkhäuser klettern die Hügel hinauf und zwischen den engen Gassen öffnen sich immer wieder fantastische Ausblicke über rote Dächer und grüne Wälder.
Fachwerk mit Charme und steilen Wegen
Marburg gehört zu den Städten, in denen man am liebsten ohne Plan losläuft. Hinter jeder Ecke wartet ein weiteres liebevoll restauriertes Fachwerkhaus, eine kleine Treppe oder ein versteckter Innenhof. Die Oberstadt wirkt wie aus einem Bilderbuch – nur dass hier nicht nur Touristen unterwegs sind, sondern vor allem Studenten, die der Stadt eine lebendige Atmosphäre verleihen.
Dabei fielen uns auch die oft originellen Namen der Geschäfte und Cafés auf. Viele Läden tragen kreative oder augenzwinkernde Bezeichnungen, die perfekt zur jungen und offenen Stimmung der Stadt passen. Überhaupt wirkt Marburg an vielen Stellen alternativ, politisch und engagiert. Transparente mit politischen Botschaften oder für Vielfalt und queere Themen gehören ebenso zum Stadtbild wie kleine Kulturangebote und studentisches Leben.
Eine Stadt, die für alle da sein möchte
Besonders auffällig war die große Zahl blinder und sehbehinderter Menschen, die wir in der Stadt trafen. Das hat einen besonderen Hintergrund: Marburg gilt als Zentrum für blinde und sehbehinderte Menschen. Einrichtungen wie die Deutsche Blindenstudienanstalt prägen die Stadt seit vielen Jahrzehnten. Viele Wege, Ampeln und öffentliche Bereiche sind entsprechend angepasst.
Universitätsstadt mit langer Tradition
Die Philipps-Universität Marburg wurde bereits 1527 gegründet und zählt zu den ältesten protestantischen Universitäten Deutschlands. Besonders bekannt ist sie für Medizin, Humanbiologie, Pharmazie sowie Naturwissenschaften. Auch Psychologie, Sprachwissenschaften und verschiedene geisteswissenschaftliche Fächer genießen einen guten Ruf. Die vielen Studierenden sorgen dafür, dass Marburg trotz seiner historischen Kulisse jung und lebendig wirkt.
Hoch über der Stadt: Das Landgrafenschloss
Natürlich führt kein Weg am Schloss vorbei. Der Aufstieg ist zwar schweißtreibend, doch die Aussicht belohnt jede Stufe. Von oben blickt man weit über das Lahntal, die roten Dächer der Altstadt und die bewaldeten Hügel der Umgebung.
Überraschend war für uns die kleine Kapelle im Schloss: Statt dunkler Farben und schwerer Verzierungen erwartet Besucher hier ein ungewöhnlich heller Raum mit rosafarbenen Elementen, der der Kapelle eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.
Glitzernde Schätze im Schloss
Im Schloss wartet noch eine ganz andere Überraschung: eine umfangreiche Mineral-Ausstellung. Zwischen den historischen Mauern gibt es jede Menge funkelnde und farbenprächtige Steine zu entdecken. Von unscheinbaren Gesteinsbrocken bis zu beeindruckenden Kristallen zeigt die Sammlung, wie vielfältig die Welt der Mineralien ist. Ein spannender Kontrast zur mittelalterlichen Schlossanlage – und definitiv einen Besuch wert, auch wenn man bisher nicht unbedingt als Mineralien-Fan durch die Gegend gelaufen ist.
Schlossgarten mit Aussicht und alten Festungsresten
Rund um das Landgrafenschloss lohnt sich auch ein Spaziergang durch den Schlossgarten. Zwischen Grünanlagen und alten Bäumen finden sich noch Überreste der früheren Festungsanlage, die daran erinnern, dass hier einst nicht nur gewohnt, sondern auch kräftig verteidigt wurde. Das Café öffnete leider erst um 13 Uhr.
Botanische Ruhe im Biegenviertel
Ein schöner Kontrast zum quirligen Studentenleben ist der Botanische Garten im Biegenviertel. Hier wird es plötzlich erstaunlich ruhig – zwischen Bäumen, Pflanzen und gepflegten Beeten kann man wunderbar eine kleine Pause vom Stadtbummel einlegen. Der Garten gehört zur Philipps-Universität und bietet einen interessanten Einblick in die Pflanzenwelt. Gerade nach dem Aufstieg zum Schloss oder einer ausgiebigen Runde durch die steilen Gassen der Oberstadt tut die grüne Oase richtig gut. Wer sich für Pflanzen interessiert, sollte für den Rundgang etwas Zeit einplanen – und wer nicht, findet hier zumindest einen angenehmen Ort zum Durchatmen.
Nach so vielen Höhenmetern hatten wir uns ein Pferd eigentlich verdient. Marburg stellte uns immerhin zwei Köpfe davon hin
