Morlaix – Zahnbürstenalarm, Höhenmeter und Streetart

Unser Start in den Tag

Der Tag in Saint-Malo beginnt heute mit einem Wecker der etwas anderen Art. Gegen 6:45 Uhr schrecke ich aus dem Schlaf. Ein lautes, bedrohliches Brummen dringt durch den Camper. Alarm! Ein technischer Defekt? Irgendetwas explodiert? Schlaftrunken brauche ich einen Moment, um die Lage zu peilen. Dann die unglaubliche Erkenntnis: Unsere elektrische Zahnbürste hat beschlossen, selbstständig in den Tag zu starten.

Morlaix – Berge, Graffiti und eine Kunst-Schnitzeljagd mit Hindernissen

Morlaix – eine Stadt, die offenbar der Meinung ist, dass ebene Straßen völlig überbewertet werden. Kaum sind wir unterwegs, geht es bergauf. Dann wieder bergab. Und natürlich gleich wieder bergauf. Wer hier einen entspannten Stadtbummel plant, bekommt gratis ein kleines Bein- und Gesäßtraining dazu. Wir nehmen es sportlich – schließlich müssen wir die bretonischen Crêpes ja irgendwie wieder abtrainieren. 

Unser großer Pluspunkt: Wir stehen mit dem Wohnmobil kostenlos auf dem Aire de camping-cars in Morlaix. Perfekt! Kein Parkplatzstress und wir können unsere Erkundungstour direkt zu Fuß starten.

Morlaix Arts Tour – Kunst suchen, Höhenmeter sammeln

Morlaix überrascht uns dann allerdings nicht nur mit Fachwerkhäusern und seinem mächtigen Viadukt, sondern auch mit jeder Menge Streetart. Überall in der Stadt tauchen riesige Wandbilder auf. Der Morlaix Arts Tour verwandelt Morlaix praktisch in eine riesige Galerie unter freiem Himmel. Mittlerweile gibt es mehr als 80 monumentale Fresken zu entdecken.
Klingt einfach? Ist es theoretisch auch. Doch alle haben wir nicht gefunden. Denn natürlich laden wir uns brav die App MX Art Connect herunter. Karte öffnen, Kunstwerk auswählen und loslaufen. So weit der Plan.

Die Realität sieht ungefähr so aus:
App: „Das Kunstwerk befindet sich in deiner Nähe.“ Wir: „Ja, wo denn?“ Wir laufen links, rechts, um die Ecke, wieder zurück. Wir gucken auf Hauswände, in Seitengassen und wahrscheinlich auch an Stellen, an denen sich das Kunstwerk kaputtlacht, weil wir es nicht finden. Denn die APP liefert keine Route dazu – super! Aber genau das macht die Tour irgendwie charmant. Wir ziehen durch die Stadt, entdecken dabei ständig neue Ecken und merken ganz nebenbei, dass Morlaix wesentlich mehr Streetart zu bieten hat, als wir erwartet haben.

Und dann gehts zum Tunnel neben dem Bahnhof

Unser persönliches Highlight ist allerdings nicht irgendeine bemalte Hauswand, sondern ein ziemlich außergewöhnlicher Ort: der ehemalige Funikulartunnel von Morlaix. Der Tunnel wurde 1906 gebaut und sollte eigentlich den Bahnhof mit der Innenstadt verbinden. Die geplante Standseilbahn wurde allerdings nie fertiggestellt – der Tunnel blieb ungenutzt. Heute bekommt er endlich eine neue Aufgabe: Streetart statt Eisenbahn. Und das ist wirklich eine ziemlich coole Location.

Dunkel, geheimnisvoll, ein bisschen morbide und mit ordentlich Urbex-Gefühl. Unter dem Titel „Obsidian – Die Legende des Drachen“ treffen hier Geschichte und Streetart aufeinander. Besonders beeindruckend ist die riesige Drachenskulptur des Künstlers Ezra: sieben Meter Spannweite, zwölf Meter lang und vier Meter hoch. Allerdings hatten wir uns ein paar mehr Kunstwerke erhofft.

Mein Lieblingsmotiv war am Tunnel gegenüber – welches gefällt Dir am besten?

Morlaix ist definitiv keine Stadt für Bewegungsmuffel – aber dafür eine ziemlich gute Adresse für neugierige Entdecker. Wer Morlaix zu Fuß erkundet, braucht keine Wander-App – die Stadt selbst liefert die Höhenmeter gleich mit.  Und wenn wir am Ende wieder beim Wohnmobil ankommen, sind wir uns einig: Morgen darf es zur Abwechslung ruhig mal eine Stadt ohne eingebauten Berg sein. So fahren wir nach einem Café au lait in der Taylor Bar zum Übernachten nach Le Debin – unseren Lieblingserholungsort in der Bretagne. Den haben wir im Mai 2026 entdeckt. Die Fotos findest Du hier.