Den Oever – über den großen Deich zu Kibbelingen und Windmühlen-Glück
Wir machen einen Tagesausflug nach Den Oever, ein beschaulicher Ort am nördlichen Ende des IJsselmeers. Wir wollen dort unser Glück mit Kibbelingen versuchen. Schon die Anfahrt verspricht ein Erlebnis, denn statt gemütlich durch die flache Landschaft zu tuckern, geht es über einen der beeindruckendsten Deiche der Niederlande. Wasser, soweit das Auge reicht, gewaltige Sperrwerke und eine ordentliche Portion Ingenieurskunst inklusive.
Und ich habe noch einen ganz persönlichen Wunsch im Gepäck: Endlich möchte ich eine Windmühle sehen! In den Niederlanden gehört sie schließlich ungefähr so selbstverständlich zur Landschaft wie Käse, Fahrräder und Menschen, die selbst bei Gegenwind noch fröhlich radeln. Bisher hat sich das mit der Windmühle allerdings noch nicht so richtig ergeben. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf!
Über den großen Deich – Wasser links, Wasser rechts
Von Stavoren aus führt uns die Strecke über den mächtigen Afsluitdijk. Dieser rund 32 Kilometer lange Abschlussdeich verbindet Friesland mit Nordholland und trennt das IJsselmeer von der Nordsee. Ein beeindruckendes Bauwerk, das nicht nur die Landschaft verändert, sondern auch zeigt, wie ernst es die Niederländer mit dem Schutz vor dem Wasser nehmen.
Besonders beeindruckend sind die Stevinsluizen am westlichen Ende des Afsluitdijks. Dieses Schleusen- und Sperrwerk wurde Anfang der 1930er-Jahre errichtet und gehört zu den wichtigen Bausteinen des niederländischen Hochwasserschutzes.
Die Überquerung ist jedenfalls mehr als eine schnöde Fahrt von A nach B. Sie ist ein kleines Erlebnis für sich. Und irgendwann taucht am Ende des Deichs unser Ziel auf: Den Oever.
Den Oever – ein beschaulicher Fischerort zwischen Wattenmeer und Windmühle
Den Oever liegt im äußersten Norden der ehemaligen Insel Wieringen, direkt dort, wo der mächtige Afsluitdijk auf Nordholland trifft. Der kleine Ort ist geprägt von seiner Fischerei, dem Hafen und der besonderen Lage zwischen dem salzigen Wattenmeer und dem IJsselmeer. Hier geht es deutlich ruhiger zu als in den großen niederländischen Urlaubsorten – genau das gefällt uns.
Hafenflair und eine ordentliche Portion Fisch
Im Hafen liegen Fischerboote neben kleineren Segelbooten. Möwen ziehen ihre Kreise, das Wasser glitzert und es riecht nach Meer und frischem Fisch. Den Oever ist ein echter Fischerort, in dem die Verbindung zum Wasser bis heute spürbar ist. Samstagsvormittags findet auf dem Hafengelände sogar ein Markt mit fangfrischem Fisch statt. Hier gönnen wir uns aus der Region ein Stück alten Gouda – lecker.
Wir lassen uns natürlich ebenfalls nicht lange bitten und gönnen uns leckere Kibbelinge. Die knusprigen Fischstückchen schmecken einfach herrlich und gehören für mich zu einem Niederlande-Besuch unbedingt dazu.
Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann am Hafen das Waddenbelevingspunt besuchen. Von diesem Aussichtsturm blickt man über das Wattenmeer, die Salzwiesen und die Umgebung des Afsluitdijks. Mit etwas Glück lassen sich hier auch zahlreiche Vögel beobachten. Hier weht ordentlich Wind um die Ohren.
Eine Windmühle zum Verlieben
Mein persönliches Highlight ist allerdings die historische Getreidemühle De Hoop. Sie stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert und gehört zu den ältesten Gebäuden der ehemaligen Insel Wieringen. Nach aufwendigen Restaurierungen kann sie seit 2015 wieder Getreide mahlen. Endlich habe ich meine ersehnte Windmühle gefunden! Schließlich gehören Windmühlen für mich zu den Niederlanden wie Fahrräder und Käse. Die traditionelle Mühle mit ihrem reetgedeckten Dach und den mächtigen Flügeln ist ein schöner Kontrast zum modernen Afsluitdijk und den technischen Anlagen am Wasser.
Es ist erst Mittagszeit, die Sonne lacht vom Himmel und wir haben noch längst keine Lust, den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Also beschließen wir kurzerhand, noch einen Abstecher zum Marinemuseum in Den Helder zu machen. Ein bisschen Kultur darf schließlich sein – besonders, wenn das Wetter so freundlich mitspielt! Weiter geht`s…
