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Chartres 2. Besuch Tag 2

Ein Tag voller Pläne – und wieder auf Graffiti-Jagd

Nach einem ausgiebigen Frühstück lassen wir es heute ganz gemütlich angehen. Wir haben einen ganzen Tag in Chartres und damit endlich mal keinen Grund, schon früh wieder die Räder zu satteln und weiterzuziehen. Für heute haben wir uns einiges vorgenommen: Wir wollen wieder auf Graffiti-Jagd gehen, das berühmte Mosaikhaus entdecken und anschließend noch eine Radtour zum Château de Maintenon machen. Also eigentlich ein ganz entspannter Plan.

Street-Art in Chartres – wir drehen uns im Kreis

Nach unserer Schnitzeljagd durch Morlaix dachten wir offenbar: Das können wir noch besser! Also laden wir uns für Chartres extra eine Street-Art-App herunter und machen uns auf die Jagd nach den Graffitis. Los geht’s: Wir sind da. Und wo ist das Graffiti? Links herum? Nein. Rechts herum! Oder doch wieder zurück? Einmal um den Block, kurz die Orientierung verlieren und schon fühlt sich die Street-Art-Tour eher mal wieder wie eine Schnitzeljagd mit eingebautem Zirkeltraining an. Zudem die Pixel-Art ziemlich klein und versteckt ist. Anbei ein paar Bilder.

Die App hilft uns tatsächlich beim Navigieren – zumindest meistens. Wir fahren mit dem Fahrrad, laufen zwischendurch zu Fuß und suchen Kunstwerke an Hauswänden und in kleinen Ecken. Dabei entdecken wir ganz unterschiedliche Künstler und Stile: große Kopfdarstellungen mit Oberkörper (siehe hier beim letzten Besuch im Mai), fantasievolle Figuren und sogar kleine Pixel-Art-Werke und davon ganz viele. Die großen Bilder findest Du hier.

Nach ungefähr 4 Kilometern und gut drei Stunden haben wir einiges gesehen. Nur eine Sache verstehen wir nicht: Neu gefundene Kunstwerke können wir in der App irgendwie nicht laden. Vielleicht liegt es an uns. Vielleicht an der App. Oder die Kunstwerke sollen einfach geheim bleiben.

Egal – Spaß macht die Suche trotzdem. Und falls Du Dich fragst, wie man sich in Chartres bei einer Street-Art-Tour orientiert: Man fährt los, biegt links ab, dreht um, fährt rechts, schaut ratlos aufs Handy und stellt irgendwann fest: Da hinten war es!

Maison Picassiette – was für ein unglaubliches Gesamtkunstwerk!

Also, ganz ehrlich: Damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet! Die Maison Picassiette in Chartres ist so ein Ort, bei dem Du schon nach den ersten Metern denkst: Das kann doch nicht alles ein Mensch gemacht haben! Und doch hat genau das einer geschafft: Raymond Isidore, ein einfacher Arbeiter und späterer städtischer Kehrer aus Chartres. Ab 1938 begann er, seine kleine Hauswelt mit Mosaiken zu verzieren – aus zerbrochenem Geschirr, Keramik, Porzellan und Glas.

Wenn aus Geschirr Kunst wird

Wände, Böden, Decken, Möbel, Garten, Mauern – alles musste dran glauben. Über Jahrzehnte entstand so ein völlig verrücktes, farbenprächtiges Gesamtkunstwerk. Überall entdecken wir neue Muster, Figuren, Blumen, Tiere und Bilder. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Kaum glaubt man, alles gesehen zu haben, springt einem schon das nächste Detail ins Auge.

Ein Haus wie aus einer anderen Welt

Und genau das ist das Faszinierende: Die Maison Picassiette wirkt nicht wie ein ordentlich geplantes Kunstprojekt, sondern wie eine völlig durchgedrehte Fantasiewelt, die einfach immer weitergewachsen ist. Raymond Isidore sammelte jahrelang die unterschiedlichsten Bruchstücke und verarbeitete sie zu seinen Mosaiken. Sein Spitzname „Picassiette“ – ein Wortspiel aus „Picasso“ und „assiette“ (Teller) – passt da natürlich perfekt.

Es ist einfach wundervoll – und dann kostet der Eintritt auch noch nichts! Wir können wirklich nur noch staunen und uns fragen, wie ein einzelner Mensch so etwas Unglaubliches erschaffen konnte.

Auf zum Château Maintenon

Frisch gestärkt schwingen wir uns auf die Räder. Zunächst geht es ein kurzes Stück durch Chartres, vorbei an einem kleinen Flughafen und anschließend hinein in Wälder und schöne Alleen. Die letzte Etappe führt uns dann parallel zur L’Eure auf einer Landstraße entlang. Und irgendwann taucht es vor uns auf: das Château Maintenon.

Wir rollen näher heran, schauen uns um und fragen uns: Wo bitte ist denn hier der Eingang? Tja … manchmal steht man wirklich direkt davor und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder in unserem Fall: das Schloss vor lauter Mauern nicht. Denn der Eingang befindet sich links von uns – nur ist die Tür in der Mauer dermaßen unscheinbar, dass wir natürlich glatt daran vorbeigeschaut haben. Peinlich!

Das Château Maintenon und ein unfertiger Wassertraum

Das Château de Maintenon ist eng mit Madame de Maintenon, der späteren Frau von Ludwig XIV., verbunden. Besonders beeindruckend finden wir aber den gewaltigen Aquädukt, der hinter dem Schloss noch teilweise erhalten ist. Im Garten gibt es diese Tafel, wo man den Effekt des fertigen Traums als Montage fotografieren kann.

Wenn der Sonnenkönig zu groß denkt

Ludwig XIV. wollte Wasser der Eure bis nach Versailles leiten, um dort die Brunnen und Wasserspiele seiner Gärten zu versorgen. Ab 1685 wurde an dem gigantischen Projekt gearbeitet. Der Aquädukt sollte über mehrere Ebenen verlaufen und rund 16 Kilometer lang werden.

Doch dann kam der Krieg dazwischen – und damit war auch der große Wassertraum vorbei. Der Aquädukt wurde nie fertiggestellt. 1694 wurde das Projekt endgültig aufgegeben. Heute stehen die beeindruckenden Reste mitten im Park. Und irgendwie passt es ja: Selbst der Sonnenkönig musste irgendwann feststellen, dass man nicht jedes größenwahnsinnige Projekt fertig bekommt.

Adieu Frankreich – bis zum nächsten Mal!

1,5 wundervolle Tage in Chartres liegen hinter uns – und auch wenn die Zeit kurz war, haben wir unglaublich viel entdeckt, erlebt und bestaunt. Chartres hat uns wirklich begeistert und ich bin ziemlich sicher: Hier werden wir bei einer unserer nächsten Rückreisen aus Frankreich wieder Station machen.

Nun heißt es allerdings Abschied nehmen. Morgen verlassen wir Frankreich und machen uns auf den Heimweg. Hinter uns liegen drei wunderschöne Wochen voller Erlebnisse, kleiner Abenteuer, leckerer Versuchungen und natürlich jeder Menge Eindrücke, die wir mit nach Hause nehmen.

Wir hoffen, dass wir Dich mit unseren Reiseberichten ein kleines Stück mitgenommen haben und Du genauso viel Spaß beim Lesen hattest wie wir unterwegs. Vielleicht konnten wir Dich sogar ein bisschen mit unserem Frankreich-Virus anstecken.

Jetzt sagen wir erst einmal Adieu, Frankreich! Und wer weiß – vielleicht heißt es ja schon bald wieder: Camper packen, Motor starten und los geht’s …

Chartres 2. Besuch

Endlich angekommen – Chartres, wir sind wieder da!

Direkt nach der Brücke von der Île de Ré steht erst einmal ein wichtiger Zwischenstopp an: Tanken! Denn auch hier sind die Spritpreise inzwischen ordentlich nach oben geklettert. Also fahren wir gleich zu Total. Und jetzt kommt das Erstaunliche: Der Preis ist hier scheinbar gedeckelt und liegt den ganzen Tag bei „nur“ 2,25 €. Im Mai lag der noch bei 2,08 €. Man passt sein Preisempfinden offenbar erstaunlich schnell an.

Erst einmal Beine vertreten

Nach der langen Fahrt brauche ich Bewegung – so mache ich einen kleinen Spaziergang an der L’Eure. Der schöne Park liegt direkt hinter dem Campingplatz de Chartres und ist einfach herrlich: viel Grün, Wasser und jede Menge Ruhe. Ein Stück Jakobsweg macht man hier automatisch in einem Spaziergang.

Martin fährt in der Zeit einen neuen Stecker kaufen, da unsere Kabeltrommel mit dem vorhandenen nicht für den Stromanschluss geeignet ist. Gut, dass er den mal eben mit dem vorhandenen Werkzeug auswechseln kann.

Doch lange hält es uns dann doch nicht. Schließlich wartet am Abend noch etwas ganz Besonderes auf uns: die Illumination von Chartres! Ab 21 Uhr werden wieder einige Gebäude der Stadt spektakulär in Szene gesetzt. Im Mai hatten wir das leider verpasst – diesmal wollen wir uns das auf keinen Fall entgehen lassen. 

Chartres bei Nacht – einfach überwältigend!

Und was soll ich sagen? Es ist einfach unglaublich! Nicht nur Chartres im eigenen Leuchten bei Nacht. So etwas habe ich wirklich noch nie gesehen, obwohl ich schon einiges in anderen Ländern erlebt habe. Besonders die etwa 30-minütige Show an der Kathedrale mit Musik ist einfach unfassbar schön. Licht, Farben, Musik und die beeindruckende Fassade verschmelzen zu einem echten Erlebnis. Hier ein Video für Dich.

Aber nicht nur die Kathedrale wird angestrahlt. Auch andere Gebäude und Plätze der Stadt werden aufwendig illuminiert und plötzlich sieht Chartres noch einmal völlig anders aus. Wenn Du nach Frankreich fährst, musst Du unbedingt nach Chartres! Die Illumination geht wohl noch bis Januar 2027.

Zum Glück haben wir die Fahrräder dabei

Und jetzt kommt noch unsere kleine persönliche Glanzleistung des Abends: Ich habe natürlich den Stadtplan mit den extra eingezeichneten Gebäuden und Plätzen vergessen. Das kann ich wirklich gut – Pläne machen und dann genau den wichtigen Plan irgendwo liegen lassen. Zum Glück sind wir mit den Fahrrädern unterwegs. So konnten wir kreuz und quer durch die Stadt fahren und trotzdem einiges von der Illumination entdecken. 

Wir bleiben 2 Nächte auf Camping-de-Chartres. Es ist der perfekte Platz auf ca. der Hälfte unserer Heimreise. Hier gibt es alles was man braucht, es ist sauber und liegt perfekt.

Île de Ré – Tag 4

Loix – Fahrradtour, Atelier Quillet und ein Garten voller Geschichten

Heute schwingen wir uns auf die Fahrräder und fahren nach Loix, einem kleinen, ruhigen Dorf auf der Île de Ré. Die Fahrt durch die Landschaft und Salzwiesen ist schon schön, aber unser eigentliches Ziel ist das Atelier Quillet.

Atelier Quillet – hier bekommen Bücher ein zweites Leben

Das Atelier Quillet ist eine traditionelle Buchbinderei, in der alte und wertvolle Bücher restauriert werden. Schon beim Betreten gibt es unglaublich viel zu entdecken: Natürlich jede Menge Bücher in alt und neu. Neben der Bar ist die Halle mit einer Glaswand abgetrennt, wo die Bücher liebevoll restauriert werden.

Und dann sind da die unzähligen Comics! Sie füllen ein ganzes Quadrat im Laden und machen das Atelier für mich zu einem ziemlich ungewöhnlichen und charmanten Ort. So habe ich mir gleich 3 Bücher für meine nächsten Upcycling-Projekte mitgenommen. Wenn Dich interessiert, was ich schon mit einem anderen französischem Comic gemacht habe dann hier ein Klick.

Besonders schön ist der kleine Garten mit seinem Café. Unter einem Olivenbaum machen wir es uns in Strandstühlen bei einem Kaffee gemütlich und lassen die Atmosphäre auf uns wirken. In diesem Laden kann man Stunden verbringen. Am meisten hat mich die eine große Wand mit alten Jule Verne-Büchern beeindruckt. Der Hammer!

Loix – klein, aber voller Überraschungen

Anschließend bummeln wir noch ein wenig durch Loix. Das Dorf ist klein und angenehm ruhig, mit seinen weißen Häusern. Es hat auch schöne Gassen aber lange nicht so romantisch wie in Saint-Martin de Ré. Den Hafen haben wir einfach nicht auf dem Schirm gehabt. Vielleicht fahren wir den morgen mit dem Auto kurz an.

Auf dem Rückweg hat uns dann doch ein kleiner leichter Regenschauer erreicht. Es sollte doch nicht regnen!!! Deshalb sind wir kurzer Hand unter einen Baum in Ars-en-Ré bei der Patisserie und haben eine Pause gemacht. Die wurde direkt genutzt um dort noch einmal eine leckere Quiche zu kaufen.

Bei einem Glas Rosé mit Quiche lassen wir den Nachmittag beginnen. Mich zieht es danach nochmal an den Ebbe-Strand. Will mein Glück nochmal mit den kleinen Makro-Objekten versuchen. Ein paar Fotos konnte ich ergattern. Die Einsiedlerkrebse wollten aber nicht so richtig aus dem Häuschen.

Abschied von Île de Ré

Am Leuchtturm gönnen wir uns noch ein letztes Eis bei La Martinière. 11 verschiedene Sorten haben wir in der Zeit geschafft. Das Auto ist gepackt und wir nehmen Abschied von der Insel. Wahrscheinlich keiner für immer. Wir kommen sicher nochmal wieder.

Île de Ré – Tag 3

Wind, Ebbe und kleine Strandbewohner

Nach einer ziemlich windigen Nacht zieht es mich am späteren Morgen mit meinem Makro-Objektiv und meiner Nikon D750 an den Strand. Es ist Ebbe und ich habe mir vorgenommen, noch ein paar schöne Aufnahmen von den kleinen Lebewesen in den Wassertümpeln zu machen. Martin muss heute ein bisschen arbeiten – und zum Glück haben wir inzwischen wieder ausreichend Internet und vor allem genügend Upload-Möglichkeiten. Das ist auf Reisen ja manchmal fast so wichtig wie Kaffee. 

Allerdings hat die Ebbe offenbar andere Pläne als ich. Das Wasser ist noch nicht weit genug zurückgegangen, wie ich gehofft hatte. Aber gut – ich lasse mich davon natürlich nicht aufhalten und versuche trotzdem mein Glück. Und ganz ehrlich: Einfach am Strand entlangzuschlendern, ist bei diesem tollen Sommerwetter schon Grund genug, hier draußen herumzustromern. Ein paar schöne Makroaufnahmen bekomme ich schließlich doch noch vor die Linse. Was meinst Du – hat sich der Ausflug gelohnt?

Auf nach Saint-Martin-de-Ré

Später steigen wir wieder in unseren Camper und fahren Richtung Saint-Martin-de-Ré. Eigentlich steht für heute allerdings das Fort de La Prée in La Flotte auf unserem Plan. Tja … kleiner Denkfehler meinerseits. Das Fort liegt nämlich gar nicht in Saint-Martin-de-Ré. Aber da wir nun schon einmal hier sind, schauen wir uns eben Saint-Martin an. Man muss schließlich flexibel sein – besonders dann, wenn der eigene Reiseplan gerade eine kleine kreative Auszeit nimmt.

Ein bisschen Stadtgeschichte

Saint-Martin-de-Ré entwickelte sich im 17. Jahrhundert zu einer bedeutenden Festungsstadt. 1681 ließ Ludwig XIV. die Stadt nach den Plänen von Vauban zu einer gewaltigen Festungsanlage ausbauen. Der sternförmige Befestigungsring mit Bastionen, Gräben und Toren sollte die gesamte Île de Ré schützen. Heute prägen die gut erhaltenen Befestigungsanlagen das Stadtbild und gehören seit 2008 zum UNESCO-Welterbe „Festungsanlagen von Vauban“. Die Zitadelle diente später auch als Gefängnis und als Ausgangspunkt für Straftransporte in die französischen Kolonien.

Kleine Gassen statt großer Festung

Mich interessieren natürlich vor allem die kleinen Gassen, hübschen Häuser und das maritime Flair. Die Festung darf sich also ruhig ein bisschen in den Hintergrund stellen. Wir schlendern gemütlich durch Saint-Martin und landen natürlich irgendwann am Hafen. Und siehe da: Unsere Eisdiele vom Leuchtturm haben wir tatsächlich auch hier gefunden!

Da lassen wir uns selbstverständlich nicht zweimal bitten und probieren direkt wieder ein paar neue Sorten. Bei diesen sommerlichen Temperaturen gehört ein Eis schließlich praktisch zur wissenschaftlichen Grundlagenforschung. Man muss ja wissen, welche Sorte beim nächsten Mal wieder auf die Liste kommt. Doch es gibt soooo viele Sorten, dass man echt die Qual der Wahl hat.

Tartelettes zum Abschluss

Auf dem Rückweg zum Campingplatz können wir natürlich auch an den Tartelettes nicht einfach vorbeigehen. Diesmal dürfen es welche mit Pfirsich sein. Und was soll ich sagen? Zum Kaffee am Camper sind die kleinen Dinger einfach himmlisch!

Jetzt steigt langsam die Flut. Für Martin bedeutet das: Angel raus und ab ans Wasser. Für mich bedeutet es: Badezeug an und ab ins Meer! Ich versuche mein Glück also ebenfalls noch einmal beim Schwimmen. Mal sehen, wer von uns beiden heute den größeren Fang macht – Martin mit der Angel oder ich mit meinem Badeausflug.

Zum Schluss noch ein paar andere Fotos aus dem Dorf:

Île de Ré

Tag 2 auf der Île de Ré – zwischen Muscheln, Radwegen und Ebbe-Pech

Unser zweiter Tag auf der Île de Ré beginnt erst einmal standesgemäß: mit einem Croissant und einem Tradition. So lässt sich schließlich jeder noch so ambitionierte Tagesplan gut starten. Für heute haben wir uns eine kleine Radrundtour auf die andere Inselseite vorgenommen. Fahrradfahren ist hier grundsätzlich richtig schön – wenn da nicht diese Sache mit den Radwegen wäre. Ich fühle mich als versierte Radfahrerin nämlich manchmal ein wenig bevormundet. Auf der Straße darf man vielerorts gar nicht fahren, stattdessen wird man konsequent auf die Radwege geschickt. Und davon gibt es reichlich! Radfahrer tummeln sich hier in einer Dichte, die ich sonst eigentlich nur aus Holland kenne. Für mich ungewohnt: ständig jemand vor mir, hinter mir oder neben mir. Überholen? Gar nicht so einfach. Aber gut – ich übe mich in Geduld.

Muschelsuche mit offizieller Ausrüstung

Am Strand angekommen, haben wir ein neues Ziel: Muscheln sammeln. Das ist hier erlaubt und praktischerweise gibt es sogar eine kostenlose Muschel-Messkarte. Perfekt! Damit bewaffnet ziehen wir frohen Mutes an den von der Ebbe freigelegten Strand. Wir sind vorbereitet. Wir sind motiviert. Wir haben eine Messkarte. Was wir nicht haben, sind Muscheln. Also unverrichteter Dinge wieder zurück.

Durch die Salzfelder zum Leuchtturm

Kein Problem – Plan B muss her. Wir radeln durch die Salzfelder in Richtung Leuchtturm. Salzfelder gibt es also auch hier – ganz ähnlich wie bei unserem Besuch in Guérande. Die Landschaft ist wirklich wunderschön und unterwegs gibt es jede Menge zu sehen. Unser Muschelproblem löst sie allerdings nicht.

Am Leuchtturm angekommen, sind wir deshalb zunächst einmal ein wenig ernüchtert. Auch hier: keine Muscheln, soweit das Auge reicht. Vielleicht müssen wir doch noch einmal gründlicher recherchieren, wo die Muscheln auf der Île de Ré eigentlich Urlaub machen. 

Zwei Kugeln Eis retten die Stimmung

Zum Glück gibt es für solche Momente eine bewährte Therapie: Eis! Am Leuchtturm gönnen wir uns bei La Martinière zwei Kugeln. Und was soll ich sagen? Superlecker! Damit sieht die Welt doch gleich wieder deutlich freundlicher aus.

Und plötzlich habe ich eine neue Idee: Wir gehen schwimmen! Nach ein bisschen Überredungskunst ist sogar Martin dabei. Also machen wir uns auf den Weg zum Wasser.

Tja … Ebbe sagt: Heute nicht! Als wir dort ankommen, zeigt sich die Île de Ré allerdings von ihrer ganz besonderen Seite. Das Wasser ist weg. Nicht ein bisschen weniger Wasser. Nein. Einfach weg. Stattdessen liegen vor uns Felsen, Steine und jede Menge Wasserpfützen. Dazu weht ein ordentliches Lüftchen.

Schwimmen? Gestrichen! ??

Auch die Muschelsuche fällt damit endgültig ins Wasser – beziehungsweise findet gar nicht erst statt. Dafür entdecke ich in den kleinen Wasserpfützen jede Menge interessante Dinge. Nur eben keine Muscheln. Vielleicht komme ich hier noch einmal mit meinem Makro-Objektiv vorbei. Für spannende kleine Meeresbewohner könnte sich das durchaus lohnen.

Ars-en-Ré – und der berühmte Kirchturm

Für den Kaffee steigen wir wieder aufs Fahrrad. Diesmal möchte ich unbedingt Ars-en-Ré anschauen. Schon von weitem ist der markante Kirchturm zu sehen: Der Spitzhelm der schönen Kirche besitzt eine Farbgebung schwarz -weiss. Das dient zur Navigationszwecken in der Seefahrt, habe ich gelesen. Den möchte ich mir natürlich aus der Nähe ansehen – und für Dich ein paar Fotos von dem maritimen Dorf mitbringen.

Und tatsächlich: Ars-en-Ré ist wirklich hübsch! Es gehört wohl zu den schönsten Orten Frankreichs.

Die kleinen Häuser, die engen Gassen und die maritime Atmosphäre gefallen uns richtig gut. Natürlich gilt auch hier: Wo es besonders schön ist, sind meistens auch besonders viele Menschen unterwegs.

Aber man muss ja nicht unbedingt dort bleiben, wo alle sind. In den hinteren Gassen wird es richtig schön. Wir machen deshalb genau das, was ich beim Fotografieren besonders gerne mache: Wir verschwinden ein bisschen in den hinteren Gassen.

Und siehe da – plötzlich wird es deutlich ruhiger. Hier kann man wunderbar schlendern, schauen und fotografieren. Genau mein Ding! Meine große Kamera bleibt diesmal allerdings im Kastenwagen. Die Fotos habe ich ganz unkompliziert mit dem Handy gemacht.

 

Kaffee mit sehr viel Milch und sehr wenig Bohne

Natürlich darf bei einer solchen Radtour der Kaffee nicht fehlen. Gegenüber der Kirche entdecken wir beim Octupus-Geschenkeladen ein kleines Café draußen. Der Platz ist richtig nett – der Kaffee leider weniger. Genauer gesagt: Das war einer der schlechtesten Cafés unserer Reise. Der hatte eindeutig mehr Milch als Bohne. Schade! Aber wir sitzen schön, lassen die Beine baumeln und genießen trotzdem den Moment. Schließlich kann man einen schlechten Kaffee auch einfach aussitzen. 

Morgen: alte Steine statt Fahrradstress

Für morgen kündigt sich ordentlich Wind an. Deshalb lassen wir das Fahrrad lieber stehen und fahren mit dem Auto ins Inselinnere. Und darauf freue ich mich schon richtig! Denn morgen geht es wieder um etwas, das wir offenbar besonders gut können: alte Steine anschauen. Unser Ziel ist das Fort La Prée.

Nach Muscheln, Salzfeldern, Ebbe und einem Milchkaffee bin ich jedenfalls gespannt, was uns dort erwartet. Eines ist sicher: Langweilig wird es auf der Île de Ré garantiert nicht.