Bepflanzter Stuhl
Vom Sperrmüllfundstück zum bepflanzten Gartenstuhl
Manchmal beginnen die schönsten Projekte mit einer ganz einfachen Inspiration. In einer Gartenzeitschrift entdeckte ich vor
einiger Zeit die Idee, einen ganz normalen Holzstuhl zu bepflanzen. Kurz darauf schickte mir eine Bekannte ein Foto von einem selbst gebauten Stuhl aus Ästen – komplett begrünt und einfach wunderschön. Spätestens da war klar: So etwas wollte ich auch ausprobieren.
Eigentlich hatte ich für die alten Stühle einen ganz anderen Plan. Ich wollte sie neu beziehen. Doch schon beim Versuch, die Rücklehne zu entfernen, wurde mir schnell klar: Das wird nichts. Viel zu stabil, viel zu widerspenstig – der Sperrmüll schien die einzige Lösung zu sein. Und dann fiel mir die Gartenzeitschrift wieder ein.
Also: Stühle zurückgeholt und losgelegt
Die Rückwand zu entfernen war ein echtes Krafttraining. Ohne ordentliches Werkzeug und mit einer guten Portion Gewalt habe ich sie schließlich herausgetrennt. Der Sitz mit der alten Federung durfte bleiben, ebenso das vorhandene Vlies – eine perfekte Basis für alles Weitere.
Danach begann die eigentliche Pflanzkonstruktion:
Kaninchendraht wurde in Form gebogen und eingesetzt, darauf kam eine Schicht Vlies mit kleinen Steinen als Drainage. Die Steine habe ich mir übrigens ganz praktisch aus meinem Betonkies gesiebt – Upcycling in seiner schönsten Form.
Punkt für Punkt zur Meditation
Gestalterisch wollte ich etwas ausprobieren, das ich schon lange im Kopf hatte: ein Muster im Aborigini-Stil. Diese Punkttechnik hat mich schon immer fasziniert. Mein erster Versuch, dafür kleine Schaumstoffkreise zuzuschneiden, war allerdings schnell gescheitert – völlig ungeeignet. Wattestäbchen funktionierten deutlich besser, auch wenn sie ihre Tücken haben: Zu fest tupfen darf man nicht, und mit der Zeit fransen sie ganz schön aus. Trotzdem – dieses gleichmäßige Setzen der Punkte hatte etwas unglaublich Meditatives. Schritt für Schritt entstand das Muster und mit ihm eine ganz besondere Ruhe.
Bepflanzung im Spätherbst
Zum Schluss kam Erde in die vorbereitete Sitzfläche und ich habe Bodendecker aus dem Garten eingesetzt. Da wir schon November haben, passiert oberirdisch im Moment natürlich nicht viel – aber den ersten Schnee haben die Pflanzen bereits problemlos überstanden.
Ein Projekt mit Zukunft
Im Moment ruht der bepflanzte Stuhl noch in der Winterpause. Aber ich bin jetzt schon gespannt, wie er sich im nächsten Frühjahr entwickelt, wenn alles zu wachsen beginnt und das Grün die Gestaltung weiter verändert.
Aus einem fast entsorgten Möbelstück ist ein ganz persönliches Gartenobjekt geworden – und wieder einmal hat sich gezeigt: Die besten Ideen kommen manchmal genau dann, wenn man etwas eigentlich schon aufgegeben hat. 🌿
Ein kleines Arrangement im Vorgarten
Der Stuhl hat inzwischen seinen Platz im Vorgarten gefunden. Neben ihm steht ein Stück Buchenstamm aus unserem Garten und eine kleine Laterne mit passendem Muster. Zusammen ergibt das ein kleines, gemütliches Arrangement. Ich werde mich noch einmal um eine neue Bepflanzung und ein neues Design kümmern.
Aber genau das liebe ich an meinen Objekten: Sie dürfen sich verändern, Patina ansetzen, verwittern und mit der Zeit immer wieder anders aussehen. Ich muss nicht alles dauerhaft perfekt haben. Im Gegenteil – manchmal entsteht gerade durch Veränderung etwas ganz Neues.
Und so dürfen meine kleinen Lieblingsstücke ruhig mit den Jahreszeiten gehen. Schließlich gehört auch das zum Upcycling: Nichts bleibt, wie es ist – und genau das macht es spannend.




