Camper-Rundreise Bretagne

Endlich ist es soweit – wir fahren in die Bretagne nach Frankreich. Letzten Herbst waren wir in der Normandie. Da habe ich mich in Frankreich verliebt. Die geplante Route ist wie folgt:

Amiens Zwischenstop – Le Mont Saint Michel – Saint Malo – Dinar – Saint Brieuc – Paimpol – Ploumanac´h – Cairn von Barnenez – Roscoff – Ploudalmezeau – Brest – Camaret sur mer – Chateaulin – Tronoen – Quimper – Ile Tudy – Lorient – Quiberon – Belle Ile – Rennes – Le Mans – Chartres – Melun – Reims

Wir haben ca. 18 Tage eingeplant – Dann fahren wir mal los.

 

Amiens

Manchmal braucht es keinen ausgeklügelten Reiseplan – manchmal reicht schlicht mieses Wetter. So wurden wir letztes Jahr an der windgepeitschten Küste der Normandie quasi „nach Amiens gespült“. Es war Sonntag. Die Stadt? Nun ja… sagen wir so: selbst die Tauben wirkten, als hätten sie beschlossen, heute einfach mal nichts zu tun.

Ein halbes Jahr später dann die Revanche: strahlender Sonnenschein, ein Frühlingswochenende und wir mittendrin – bewaffnet mit kühlen Getränken und der besten Aussicht überhaupt: ein gemütlicher Platz in einer Bar. Und plötzlich war da dieses völlig andere Amiens! Menschen überall, Gelächter, Musik, lebendige Straßen – als hätte jemand heimlich den „Stadt an“-Schalter gefunden.

Die Moral der Geschichte? Amiens ist keine verschlafene Schönheit – sie hat nur sonntags ihren wohlverdienten Ruhetag. Wer die Stadt wirklich kennenlernen will, sollte ihr also die Chance geben, sich von ihrer quirligen, studentenhaften Seite zu zeigen.

Übernachtet haben wir hier:

Camping du chateau in Bretangles

Ein ganz toller, ruhiger Platz mit sehr freundlichem Personal

Laden in Amiens mit roten Türen und einer Figur darüber

Le Mont Saint Michel

Es gibt Orte, die wirken schon fast zu spektakulär, um echt zu sein – und Le Mont-Saint-Michel ist definitiv einer davon. Die Energie dort ist unglaublich. Das wohl Faszinierendste: die Gezeiten. Zweimal am Tag verwandelt sich die Umgebung komplett. Eben noch spaziert man gemütlich über den Sand – und kurze Zeit später ist alles vom Meer umschlossen.

Ein kleiner Tipp aus Erfahrung: Entweder früh kommen oder Abends erst besuchen.  Sobald die Tagestouristen verschwinden, wird es plötzlich ruhig – fast magisch. Dann hat man die Chance, den Mont-Saint-Michel von seiner ursprünglichsten Seite zu erleben.

Ab dem 1. Mai ist das Radfahren über die Brücke von 10 – 18 Uhr verboten. So haben wir davor eine Rad-Tour durch das Innere gemacht – Berg auf – Berg ab um letztlich dann am Abend wieder einen Berg zu besteigen – Le Mont Saint Michel!

Übernachtet haben wir hier:

Parking de camping car les Brèches in Beauvoir

In Park4Night zu finden. Hier finden 10 Fahrzeuge einen Platz. Sehr ruhig wenn nicht gerade Volkswandern am 1. Mai mit Animation ist, weil die Leute nebenan auf die Busse warten. Man fährt mit dem Rad 10 min. zum Mont Saint Michel. In der Nähe ist eine Bar und auch eine Boulangerie.

Télégraphe de Chappe

Der Telegraf steht in Saint Marcan, Nähe Le Mont Saint Michel und ist aus dem 18. Jhd eine der wenig restaurierten Telegrafen. Er ermöglichte die Übertragung einer Nachricht zwischen Mont-Dol und Mont Saint-Michel auf der Strecke Paris-Brest. 

Fort La Latte

Manchmal fühlt man sich auf Reisen wie in einem Film – und genau so ein Moment erwartet einen bei Fort La Latte. Dramatisch auf einer Klippe über dem Meer thronend, wirkt diese mittelalterliche Burg, als hätte sie nur darauf gewartet, dass gleich ein Piratenschiff am Horizont auftaucht.

Dieser Ort ist wohl für den Film gebaut worden. Nur wusste das damals wohl noch keiner. Einer der bekanntesten ist wohl der Film Die Wikinger mit Kirk Douglas und Tony Curtis. Ich persönlich kann eher etwas mit Lanzelot oder Tristan und Isolde anfangen. Der Atlantik liefert dabei die passende Soundkulisse – tosende Wellen, kreischende Möwen und eine steife Brise, die garantiert dafür sorgt, dass die Frisur genauso „authentisch“ aussieht wie die Kulisse.

Leider hatten wir heftigen Regen. Wir wollten nämlich noch zum Chateau de Guildo. Das haben wir dann verworfen, denn Camper durften die Straße bis dahin nicht fahren. 

Cap Fréhel

Le Phare du Cap Fréhel (Leuchtturm) wurde bis 1950 gebaut und ragt bis 70 m über das Meer hinaus.

Die berühmten rosa Granitfelsen leuchten je nach Sonnenstand mal sanft, mal intensiv und bilden einen spektakulären Kontrast zum tiefblauen Atlantik. Dazwischen tauchen immer wieder dunklere Schieferabschnitte auf, die der Küste eine raue, fast dramatische Note verleihen – als hätte die Natur beschlossen, hier gleich mehrere Kunststile auszuprobieren. Einen Sekundenmoment konnte ich das sehen. Die Fotos zeigen es leider nicht. Das nächste Mal.

Cap Fréhel ist wild, ehrlich und komplett unbeeindruckt davon, ob man vorbereitet ist oder nicht.

Saint Malo

So gerne hätten wir den Ort und den Hafen besucht. Aber leider haben wir keinen Parkplatz gefunden. Da mein Liebster momentan nicht so gut laufen kann und das Wetter grottenschlecht war, sind wir ein wenig frustriert weiter gefahren. Auf dem Weg nach Saint Brieuc hat wieder ein Volkslauf stattgefunden, genau wie in Le Mont Saint Michel. So viele Menschen waren wir gar nicht mehr gewohnt.

In der Nähe vom Cap d´Erqui haben wir einen schönen Parkplatz mit wundervoller Aussicht ergattern können und eine Pause gemacht. Da konnten unsere Schirme trocknen. Denn wohin im kleinen Camper mit nassen Sachen?

Es ist nicht immer einfach, in Frankreich (wahrscheinlich auch in anderen Ländern) einen Parkplatz Nähe Wasser zu ergattern, weil die Einfahrt auf 1,90 bis 2 m Höhe begrenzt ist. Was ich durchaus verstehen kann. Wenn ein Parkplatz extra für Camping-Cars ausgewiesen ist, parken die Franzosen mit ihren Autos da drauf. Schon beeindruckend, diese Gedankenlosigkeit. Wir haben erlebt, dass ein Franzose einen angemeckert hat und tatsächlich ist der Autofahrer weggefahren. So ist das halt!

Hier habe ich nur ein paar triste Fotos von der Fahrt.

 

Saint Brieuc

Wer bei Saint-Brieuc nur an eine ruhige bretonische Stadt denkt, hat die Rechnung ohne ihre Wände gemacht. Denn hier passiert etwas, das man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht erwartet: Saint-Brieuc ist eine kleine, aber ziemlich beeindruckende Open-Air-Galerie. Genau das Richtige für mich. 

Zwischen alten Häuserfassaden, unscheinbaren Gassen und modernen Gebäuden tauchen sie plötzlich auf – riesige Murals, verspielte Illustrationen, politische Statements oder einfach Kunst, die gute Laune macht. Streetart gehört hier ganz selbstverständlich zum Stadtbild, als hätte jemand beschlossen: „Warum graue Wände, wenn es auch spannend geht?“

Leider wollte das Wetter wieder nicht so. In den einzigen zwei Stunden ohne Regen haben wir es geschafft eine Rad-Tour zum Hafen nach Légué, am Leuchtturm bei Ebbe Muscheln sammeln und auf dem Rückweg in die historische Stadt mit Graffity-Suche. Zum Hafen hat uns der nette Schrankenwärter extra die Brücke geöffnet, damit wir auf die andere Seite kommen.

Wenn man nicht so gut französisch sprechen ist es manchmal mühselig. Aber die Menschen sind sehr geduldig und erfindungsreich. An einer Tankstelle mussten wir vorher einen Betrag festlegen, damit wir tanken können. Bis die freundliche Frau und ich das geregelt hatten, war ein bisschen Zeit vergangen. Alle sind hier lächelnd geduldig – zumindest bis jetzt. Andere sprechen auch kein Englisch, dann geht es mit Händen und Füßen und zum Glück gibt es zur Not das Mobil-Telefon mit einem Übersetzer.

Das mit dem Regen finde ich grundsätzlich nicht schlimm, aber zum Fotografieren ist es wirklich ungünstig. 

Hier haben wir zwei Nächte verbracht:

Gegen 16 Uhr ohne Reservierung angekommen. Der junge Mann hat es dann doch noch möglich gemacht, wahrscheinlich weil wir keinen Strom brauchten. So hatten wir im Stadtpark, voll im Grünen, einen tollen Platz. Super ruhig – bis auf die Taube, die auf einem Zweig saß und über das Leben nachdachte.

Fortsetzung folgt…