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Le Treport

Le Tréport – Fischereihafen und Belle-Époque-Flair

Le Tréport an der normannischen Alabasterküste zählt zu den schönsten Küstenorten Nordfrankreichs. Der traditionsreiche Fischer- und Badeort prägt mit seinem lebendigen Hafen, den steil aufragenden Kreidefelsen und den eleganten Villen aus der Belle Époque das Bild der normannischen Alabasterküste.

Wir sind mal wieder auf der Durchreise zu unserem nächsten Ziel nach Abbeville. Nachdem die Wettervorhersage Sturm und massiven Regen ansagt haben wir beschlossen, ins Landesinnere zu fahren und unsere Küstenreise abzubrechen.

Fischereihafen und Fischmarkt

Seit dem Mittelalter ist Le Tréport eng mit der Fischerei verbunden. Noch heute prägen Fischkutter und der geschäftige Hafen das Stadtbild. Besonders beliebt ist der Fischmarkt, auf dem täglich fangfrischer Fisch, Jakobsmuscheln, Hummer und andere Meeresfrüchte angeboten werden. Entlang der Kaianlagen laden zahlreiche Restaurants dazu ein, regionale Spezialitäten direkt mit Blick auf den Hafen zu genießen.

Direkt vor der Fischhalle zieht ein traditioneller Markt mit seinem bunten Angebot zahlreiche Besucher an. Zwischen den Ständen herrscht geschäftiges Treiben, während Händler frisches Obst, Gemüse und regionale Spezialitäten anbieten. Wir konnten nicht widerstehen und nahmen knackigen Chicorée direkt aus dem Karton für kleines Geld mit – ebenso wie frische Scampis vom Fischmarkt.

Casino und Belle-Époque-Villen

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Le Tréport zu einem beliebten Seebad der Pariser Gesellschaft. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche elegante Villen und das Casino, das bis heute zu den Wahrzeichen des Ortes zählt. Es bietet nicht nur Spielmöglichkeiten, sondern auch Restaurants und Veranstaltungen und erinnert an die glanzvolle Zeit der Belle Époque.

Die historische Standseilbahn

Ein Wahrzeichen des Ortes ist die Standseilbahn „Funiculaire“, die bereits 1908 eröffnet wurde. Sie verbindet die Unterstadt mit den hoch aufragenden Kreidefelsen von Sainte-Croix. Nach umfangreichen Restaurierungen ist die Fahrt heute sogar kostenlos. Oben angekommen eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama über den Ärmelkanal, den Hafen und die benachbarte Stadt Mers-les-Bains. Besonders zum Sonnenuntergang ist der Ausblick sicherlich spektakulär.

Wir hatten überlegt von oben nach unten zufahren. Leider war der Parkplatz voll. Zudem fiel mir dann das Unglück von Portugal ein, so dass ich gar nicht mehr fahren wollte. Verrückt…ich weiß.

Sotteville-sur-Mer

Zwischenstopp L´Escalier de Sotteville

Die historische Treppe ist wohl das Wahrzeichen des Ortes. Über gefühlte 200 in den Felsen gehauene Stufen (wer zählt die schon genau? gelangen wir zwischen den Klippen hinab an den Strand. Früher haben hier wohl eher gestandene Fischer den Weg genommen. Heute sind es wir – mit Kamera, Staunen und der leisen Frage, ob die Knie das wirklich genauso romantisch finden wie der Kopf.

Ein direkter Abstieg ans Wasser, eingerahmt von Fels, Geschichte und einer ordentlichen Portion „Wow“. Beeindruckend genug, dass man automatisch langsamer geht, oder gar nicht erst los wie mein Mann.

Gratis-Fußbad inklusive

Und dann war da kurz davor noch der kleine Extra-Service von oben: Regen! Kleine Rinnsale werden zu fröhlichen Mini-Bächen, ziehen sich über die Stufen und spritzen bei jedem Schritt leicht auf. Die Sandalen, eben noch optimistisch trocken, geben spätestens nach ein paar Metern resigniert auf.

Unten angekommen öffnet sich die enge Treppenschlucht zum grau-blauem Meer und die Alabaster-Klippen steigen wieder steil auf wie eine gewaltige Wand. Von hier unten wirkt die Treppe noch eindrucksvoller.

Unten: La Mer

Unten angekommen öffnet sich die enge Treppenschlucht plötzlich wie ein Vorhang. Vor uns liegt der Strand, das Meer in gedämpftem Grau-Blau, und die Alabasterklippen ragen neben mir wieder steil in den Himmel – wie eine Wand, die sagt: „Zurück geht’s nur über die vielen Stufen.“

Von hier unten wirkt die Treppe noch beeindruckender. Nicht mehr nur als Weg, sondern als kleine, steinerne Mutprobe mit Meerblick – und einem sehr beschwerlichem Aufstieg mit Atemnot.

Veules-les-roses

Spaziergang durch Veules-les-Roses

Veules-les-Roses hat uns sofort mit seinem besonderen Charme verzaubert. Das kleine Küstendorf in der Normandie wirkt wie aus einem Bilderbuch: Zwischen blühenden Gärten, historischen Häusern und alten Wassermühlen schlängelt sich die Veules, der kürzeste Fluss Frankreichs, gemächlich bis zum Meer.

Bei einem Spaziergang entlang des Flusses entdeckt man immer wieder liebevoll gepflegte Gärten, kleine Brücken und versteckte Winkel. Besonders schön ist die Mischung aus dem sanften Grün des Tals, den weißen Kreidefelsen und dem Blick auf den Strand, an dem sich Himmel und Meer begegnen.

Überall spürt man die ruhige und entspannte Atmosphäre des Ortes. Die zahlreichen Rosen, die dem Dorf seinen Namen geben, verleihen ihm zusätzlich eine romantische Note.

Auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen

Schon auf dem Regenradar hatten wir gesehen, dass sich ein Schauer anbahnte. Kein Problem, dachten wir – bis uns einfiel, dass unser Regenschirm noch in Fécamp unter dem Auto lag. Tja, Pech gehabt!

Als die ersten Tropfen fielen, musste schnell ein trockener Unterschlupf her. Zur Auswahl standen das stille Örtchen an der Strandpromenade oder ein verlassener Verkaufsstand mit Dach. Unsere Wahl fiel auf den Verkaufsstand – und offenbar hatten viele andere dieselbe Idee. Innerhalb weniger Minuten füllte sich unser improvisiertes Refugium mit immer mehr Menschen. Nach einer Viertelstunde war der Spuk vorbei und die Sonne zeigte sich wieder.

Vom Mülleimer zum schönsten Regenschirm

Nun stand fest: Ein neuer Regenschirm musste her! In einem kleinen Geschäft mit allerlei hübschen Auslagen fragten wir nach einem Schirm. Nun ja – die Verkäuferin sprach nur Französisch, und mein Mann verwechselte ausgerechnet das entscheidende Wort. Statt nach einem Regenschirm fragte er nach einem Mülleimer! Kein Wunder, dass unsere Gesten zunächst für Verwirrung sorgten.

Doch die freundliche Dame erwies sich als echte Spürnase. Sie verschwand kurzerhand für ein paar Minuten im Hausflur und kam strahlend mit einem wunderschönen Parapluie zurück – im eleganten Gothic-Stil und sogar mit einer Thermo-Innenseite. So einen außergewöhnlichen Regen- und Sonnenschirm hatten wir noch nie besessen!

Seitdem hat unser neuer Begleiter seinen festen Platz im Auto. Und jedes Mal, wenn wir ihn benutzen, denken wir schmunzelnd an diese nette Begegnung und an den „Mülleimer“, der uns zu unserem wohl schönsten Regenschirm überhaupt geführt hat.

Beim Bummel durch die kleinen Orte der Normandie fallen immer wieder die kunstvollen Metallschilder über den Geschäften auf. Liebevoll geschmiedet und oft reich verziert, hängen sie wie kleine Kunstwerke über Bäckereien, Cafés oder Boutiquen. Der Bär hat sich bewegt und musste umbedingt dazu.

Mit ihren verschnörkelten Formen, nostalgischen Motiven und ihrem historischen Charme tragen sie ganz wesentlich zum besonderen Flair der normannischen Dörfer bei.