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Saint Nazaire

Saint-Nazaire – zwischen Werft, Meer und ungewöhnlichen Skulpturen und Graffitys

Nach dem Frühstück sind wir mit dem Rad nach Saint-Nazaire gefahren. Insgesamt waren es dann 60 km hin und zurück. Wir haben zwei verschiedene Vorschläge genutzt. Beide Radrouten waren schön zu fahren. Die in der Nähe vom Meer ist straßentechnisch etwas angenehmer als die durch die Waldstücke.

Saint-Nazaire ist keine Stadt, die sich mit romantischen Altstadtgassen schmückt. Überhaupt hat hier irgendwie der Flair gefehlt. Hier geht es deutlich maritimer, industrieller und manchmal auch überraschend kreativ zu. Große Schiffe und große Geschichte. Saint-Nazaire ist untrennbar mit dem Schiffbau verbunden. Die riesigen Werftanlagen prägen das Stadtbild und zeigen eindrucksvoll, welche Dimensionen der Schiffbau hier erreicht. Zwischen Hafen, Kränen und gewaltigen Bauhallen wirkt vieles eine Nummer größer als anderswo. Man kann auch große Kreuzfahrtschiffe sehen.

Kunst trifft Atlantik

Was aber Saint-Nazaire ganz gut gelungen ist, die Verbindung von Kunst und Meer. Beim Spaziergang entlang der Küste begegnen uns immer wieder ungewöhnliche Formen und Skulpturen. Auch im Stadtgebiet entdecken wir immer wieder interessante Skulpturen und Kunstwerke. Genau solche überraschenden Kunstwerke machen für mich den Reiz der Stadt aus. Wir haben uns extra einen Plan im Tourismus-Büro geholt. Der war nicht gut ausgearbeitet, so haben wir hier unsere 2. te Streetart-Schnitzeljagd gemacht. Letztlich sind wir wieder aufs Rad gestiegen, sonst wären wir jetzt noch nicht am Campingplatz.

Hier gibt es auch jede Menge Streetart zu entdecken. Und genau das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Schließlich ist es doch viel spannender, durch eine Stadt zu laufen und plötzlich vor einem riesigen Kunstwerk zu stehen.
Im Tourismusbüro bekommt man dafür sogar einen Plan mit den verschiedenen Streetart-Werken. Perfekt, dachten wir! Plan in der Hand, Kamera bereit und los geht’s. Was sollte da noch schiefgehen? Nun ja … einiges. Denn so hilfreich der Plan auch sein möchte – wirklich einfach ist es nicht, die Kunstwerke damit zu finden. Manche befinden sich etwas versteckt, andere sind aus unserer Sicht nicht unbedingt dort, wo man sie laut Karte vermutet. Und so wird aus einer gemütlichen Streetart-Tour ziemlich schnell eine kleine Schnitzeljagd durch Saint-Nazaire.

„Hier müsste es doch sein …“
„Bist du sicher?“
„Laut Plan schon!“
„Dann muss das Kunstwerk wohl gerade Urlaub machen.“

Also laufen wir ein paar Schleifen, schauen in Seitenstraßen, drehen uns gefühlt dreimal im Kreis und halten Ausschau nach bunten Fassaden. Einige Werke sind wirklich beeindruckend und bringen ordentlich Farbe in das ansonsten eher von Hafen, Industrie und maritimer Geschichte geprägte Stadtbild. Sieh selbst:

Beeindruckend sind auch die Brücken am Hafen. Hier noch ein paar Eindrücke vom Strand und von der Stadt drumherum.

Auray

Tag 11 – Regen, Romantik und ein kleiner Dämpfer in Auray

Heute Morgen haben wir an der L`Amor Plage ausnahmsweise nicht auf den Regenradar geschaut, obwohl der Himmel schon verdächtig grau daherkam. Tja, kaum waren wir auf dem kurzen Weg zur Boulangerie, hatte uns der Regen auch schon komplett erwischt. Patschnass in Rekordzeit! Das ging erstaunlich schnell. Zu allem Übel musste Martin unterwegs noch sein Handy irgendwie trocken verpacken. Also standen wir da: nass, leicht genervt und mit einem dringenden Bedürfnis nach Kaffee, Frühstück und einem trockenen Plätzchen. Immerhin haben wir dank der zahlreichen Schilder den Weg zurück zum Campingplatz wiedergefunden.

Wobei wir es wahrscheinlich sogar geschafft hätten, wenn uns nicht noch die Sache mit der SIM-Karte dazwischen gekommen wäre. Denn nachdem uns die Dame im Orange-Shop in Lorient unbedingt ein 30-Euro-Abo pro Monat andrehen wollte und behauptete, eine Prepaid-Karte gäbe es nur im Tabak-Shop, wollten wir unser Glück genau dort versuchen. Wir suchen schließlich eine Orange-Prepaid-Karte für 10 Euro – schließlich funktioniert Orange an der Küste bei uns am zuverlässigsten.

Mittlerweile sind wir nämlich wirklich entnervt von unserem Internet-Abenteuer. Der Upload unserer Reiseberichte wird zur Geduldsprobe und selbst die ganz normale Handynutzung fühlt sich inzwischen an wie eine Expedition ins digitale Niemandsland. Das macht definitiv keinen Spaß mehr! Also hinein in den Tabak-Shop. Der Verkäufer schaut uns an, schaut in sein Sortiment und ist der festen Überzeugung: Diese Karte hat er nicht. Punkt!

Aber da hat er die Rechnung ohne Martin gemacht. Martin gibt nämlich nicht auf! Also wurde noch einmal mühsam im Internet recherchiert – und siehe da: Die begehrte Orange-Prepaid-Karte gibt es tatsächlich für 10 Euro genau hier im Tabakladen. Manchmal muss man eben nur lange genug suchen. Oder genauer gesagt: Martin muss lange genug suchen. Also erstmal frühstücken, die SIM-Karte einfach kaufen und dann ab nach Auray.

Auray – alte Gassen, romantische Ecken und französische Leckereien

Auray stand schon länger auf unserer Liste. Im Mai hatten wir das romantische Städtchen nämlich leider nicht mehr geschafft. Heute sollte es endlich klappen. Und tatsächlich: Parkplatz gefunden! Für Kastenwagen gibt es hier erfreulich viele Möglichkeiten. Das gefällt uns natürlich ausgesprochen gut. Also los, Richtung Oberstadt – vorbei am Hafen und hinein in die hübschen Gassen.

Nur so viel als kleine Warnung für Dich: Auray liegt nicht gerade auf einer Tischplatte. Ein paar Höhenmeter kommen schon zusammen. Aber was tut man nicht alles für ein romantisches Städtchen? Oben angekommen, erwartet uns eine wirklich schöne Mischung aus alten Häusern, kleinen Gassen und romantischen Ecken. Dazu gibt es mitten im Ort eine Markthalle, in der einem die frischen Leckereien förmlich entgegenrufen: „Kauf mich!“ Käse, Gemüse, Obst und allerlei französische Köstlichkeiten – hier könnte man sich problemlos einmal quer durch die Bretagne futtern.

Eine Creperie mit kleiner Überraschung

Auf dem Rückweg zum Auto wollten wir dann noch einen Tipp ausprobieren, den uns die nette Angestellte vom Camping Municipal in Quiberon gegeben hatte: eine bestimmte Crêperie in Auray. Karte studiert. Ich wollte eigentlich nur mal schauen, ob es dort diese hausgemachte Limonade gibt, von der wir gehört hatten. Die Karte sah vielversprechend aus. Wir wollten uns gerade hinsetzen, als ein Angestellter nach kurzem Augenkontakt fragte, ob wir Franzosen seien. Nein, sind wir nicht. Ich deutete freundlich auf den Platz, an dem wir uns setzen wollten. Was dann kam, war allerdings weniger freundlich. Irgendetwas wurde noch ziemlich abfällig kommentiert, anschließend verteilte der Herr den älteren französischen Damen seelenruhig die Speisekarten – unsere ignorierte er einfach.

Zuerst dachte ich noch: Okay, vielleicht ein Versehen. Kann ja passieren. Also warteten wir. Eine Minute. Zwei Minuten. Drei Minuten. Dann allerdings Schluss mit lustig. So viel Zeit hatte ich nun auch wieder nicht, um unsichtbar zu werden. Wir sind gegangen. Schade eigentlich. Denn bis dahin hatte ich Auray wirklich wunderschön und romantisch in Erinnerung.

Für Martin tat es mir Leid, er wollte es unbedingt ausprobieren, weil die Frau in Quiberon auch so nett fanden. Aber manchmal braucht es eben nur einen einzigen Menschen, um die Stimmung ordentlich zu verhageln. Und dafür musste es heute nicht einmal regnen. Immerhin waren wir ja auch seit 5 Uhr wach. Auray bekommt von mir deshalb trotzdem eine zweite Chance. Die Crêperie Le Yac`h allerdings eher nicht.

Ein paar kleine nette Kunstwerke habe ich noch für Dich einsammeln können. Insgesamt ist die Stadt von Kunst-Handwerk geprägt. Viele kleine Läden sowie jede Menge Ateliers gibt es hier in diesem Städtchen.

Und dann kommt die Campingplatz-Odyssee

Wir wollten anschließend weiter Richtung Le Pouliguen. Die von uns ausgesuchten Campingplätze sahen auf den ersten Blick ganz gut aus. Vor Ort stellte sich allerdings heraus: Käfighaltung deluxe. Parzelle an Parzelle, eng, dicht und irgendwie so gar nicht unser Ding. Da standen wir nun und dachten beide: Nö. Das können wir besser. Dachten wir! Also weiter Richtung Piriac-sur-Mer.

Und dort begann dann das große Campingplatz-Bingo. Voll. Nächster Platz: voll. Noch einer: privat! Beim letzten Versuch hatten wir immerhin Glück mit der Mitarbeiterin. Sie war unglaublich nett und erklärte uns den Grund für das Campingplatz-Desaster: Dieses Wochenende ist Springflut und deshalb sind praktisch alle Plätze an der Küste ausgebucht. Tja … daran muss man als unbedarfter Camper natürlich auch erstmal denken. Und damit hatten wir endgültig abgekackt. 

Letztlich haben wir in Guérande landeinwärts den ACSI Campingplatz La Fontaine für 17 € die Nacht gefunden und uns direkt bis Montag eingebucht. Der ist sehr schön, super ruhig, Sanitär einwandfrei, hat ein Schwimmbad ist aber dafür seit langem der erste, der keinen Baguette-Service bietet. Dafür muss man ca. 10 min. über die Straße bis zur Stadtmitte fahren. Macht aber nichts.

Von hier aus starten wir mit dem Rad morgen nach Saint Nazaire, ca. 1,5 Stunden!

Lorient – Malizia

Lorient im Segelfieber

Wir erleben den Zieleinlauf von Boris Herrmanns Malizia 4 beim The Ocean Race Atlantic – Gänsehaut inklusive!

Lorient – heute ganz im Zeichen von Boris Herrmann. Eigentlich hatten wir für heute einen ganz anderen Plan. Aber manchmal schreibt der Wind eben sein eigenes Drehbuch – und heute sogar ein ziemlich schnelles! Das große Finale des ersten „The Ocean Race Atlantic“ steht in Lorient an. Also ändern wir kurzerhand unseren Reiseplan und erklären den heutigen Tag ganz offiziell zum Boris-Herrmann-Tag.

Lorient La Base – hier schlägt das Herz der Hochseesegler

Wenn Du in Lorient La Base unterwegs bist, merkst Du schnell: Hier dreht sich vieles um die große Welt des Hochseesegelns. Die ehemalige deutsche U-Boot-Basis wurde zu einem internationalen Zentrum für Offshore-Rennsport umgebaut. Hier sitzen zahlreiche Teams, tüfteln an ihren Booten, trainieren und bereiten sich auf die großen Rennen vor. Vor allem die IMOCA-Yachten, wie die neue Malizia 4 von Boris Herrmann, gehören hier zum gewohnten Bild.

Und dann gibt es da noch die ganz großen Kaliber: Ultim-Trimarane. Wenn Du so einen dreirumpfigen Giganten zum ersten Mal siehst, fragst Du Dich unwillkürlich, ob hier gerade eine Yacht oder ein kleines Flugzeugträgerdeck am Steg liegt. 
Diese riesigen Rennmaschinen sind teilweise rund 32 Meter lang und gehören mit ihren gewaltigen Ausmaßen und Foils zu den schnellsten Segelbooten überhaupt. Die Foils wirken dabei wie Tragflächen unter Wasser und können die Boote bei entsprechender Geschwindigkeit regelrecht über die Wasseroberfläche schweben lassen. Lorient ist Heimat mehrerer dieser Rennställe – unter anderem von Gitana, Banque Populaire und Sodebo.

Hier bekommt der Begriff „Schnellboot“ also eine völlig neue Bedeutung. Und wer diese Boliden einmal aus der Nähe gesehen hat, versteht sofort, warum Lorient auch als eine Art „Sailing Valley“ bezeichnet wird. Um die volle Größe zu bestaunen bitte Bild anklicken!

Das große Finale

Und genau hier endet heute das erste The Ocean Race Atlantic. Die sechs IMOCA-Yachten sind von New York aus rund 3.000 Seemeilen – etwa 5.500 Kilometer – über den Atlantik nach Lorient gerast. Gefahren wurde mit voll besetzten Crews und den hochmodernen Foiler-Yachten, die bei passenden Bedingungen Geschwindigkeiten von bis zu 40 Knoten erreichen können. Für uns natürlich besonders spannend: Boris Herrmann mit seiner brandneuen „Malizia 4“ ist dabei. Und was für ein Rennen! Über weite Strecken lag Boris mit seiner Crew ganz vorne und zeigte eindrucksvoll, was in dem erst wenige Wochen alten Boot steckt. Dann kam allerdings der Rückschlag: Auf dem Atlantik kollidierte die Malizia 4 mit einem unbekannten Meerestier. Dabei wurde das Hydrauliksystem des Backbord-Foils beschädigt. Die Crew konnte den Schaden zwar sichern, aber ganz ohne Folgen blieb der Zwischenfall natürlich nicht.

Am Ende wurde es noch einmal richtig spannend. Die ersten vier Boote kamen innerhalb von nur rund 30 Minuten ins Ziel. Boris Herrmann und Team Malizia beendeten das Rennen schließlich auf einem sehr starken vierten Platz. Nur etwa fünf Minuten fehlten zum Podium. Nach mehr als 3.000 Seemeilen ist das eigentlich kaum mehr als ein Wimpernschlag.
Und ganz ehrlich: Wenn Boris Herrmann hier heute mit seiner „Malizia 4“ einläuft, wollen wir natürlich dabei sein! Die Stimmung am Steg ist großartig. Überall stehen Menschen, die gespannt aufs Wasser schauen und darauf warten, dass endlich die ersten Segel am Horizont auftauchen. Die Vorfreude ist förmlich zu spüren.

Für mich ist das ein ganz besonderer und ehrlich gesagt auch ziemlich ergreifender Moment. Normalerweise verfolgen wir die Abenteuer von Team Malizia gemütlich von zu Hause aus – digital, mit Livetracker und ständigem Blick darauf, wo sich Boris gerade mitten auf dem Atlantik befindet. Und heute stehen wir plötzlich selbst hier in Lorient, direkt am Steg und nur wenige Meter vom Geschehen entfernt.

Irgendwie fühlt sich das gerade ein bisschen unwirklich an. Aus dem kleinen Punkt auf dem Bildschirm ist plötzlich ein echtes Boot geworden – und wir sind live dabei, wenn es nach Tausenden Seemeilen über den Atlantik hier in Lorient einläuft. Nach einem Erfrischungsgetränk radeln wir zum Campingplatz zurück. Zum Glück hatte ich vorgekocht.

Da wir zur Ebbe schon dort waren, konnte man die Wracks gut sehen. Bei Flut sind sie dann fast verschwunden.

Übernachtet haben wir auf dem Campingplatz VVF La Fontaine Lamor Plage für 30,20 € inkl. Strom. Der Sanitärbereich ist schon älter aber sauber. Die Dusche war etwas anstrengend, da ich den Knopf permanent drücken musste um das Wasser laufen zu lassen. Große Plätze unter Bäumen und kein Upload. Wie es mit dem WiFi ist, konnten wir nicht ausprobieren, weil wir zu spät zurück waren.

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Ein entspannter Start in den Tag

Heute lassen wir es ganz entspannt angehen. Kein großer Plan, kein Stress – zuerst schwinge ich mich aufs Fahrrad und radle zum Intermarché. Ganze fünf Minuten dauert die Fahrt. Perfekt! Der Supermarkt ist richtig gut sortiert und hält sogar eine kleine Überraschung für uns bereit: Unsere elektrische Zahnbürste gibt es hier tatsächlich zu einem akzeptablen Preis! Auch sonst sind die Preise im Vergleich zu den Supermärkten, die wir bisher besucht haben, erfreulich günstig. Also wandern frische Shrimps und die Zutaten für ein Curry für die nächsten Tage in meinen Einkaufswagen. So lässt es sich leben!

Kochen ohne Stress

Zurück am Campingplatz heißt es erst einmal Gemüse schnippeln. Ich bereite schon mal alles für morgen vor, denn nach der langen Fahrt möchte ich nicht auch noch stundenlang in der Küche stehen. Unser nächstes Ziel steht nämlich schon fest: Île de Ré und La Rochelle. Bevor wir dorthin aufbrechen, will ich aber noch den Küstenpfad in die andere Richtung erkunden. Und was soll ich sagen? Der ist wunderschön! Leider hat es auch hier gebrannt. Zum Glück konnte man es wohl eindämmen, denn die Fläche ist begrenzt.  Und der Stein! Ich glaube der sieht mich an :-).

Ich bin sofort hin und weg. Der Weg schlängelt sich durch die Landschaft und immer wieder gibt es herrliche Ausblicke. Genau mein Ding! Nur der Strand gegenüber bleibt heute unerreichbar. Zu viele Kurven führen noch dorthin – und irgendwann denke ich mir: Wenn ich jetzt weiterlaufe, muss ich den ganzen Weg schließlich auch wieder zurück. Das muss dann doch nicht sein.

Martin und die mysteriöse Zahnbürste

Auf dem Rückweg treffe ich den inzwischen erfolglosen Martin wieder. Der Fisch wollte heute offenbar genauso wenig wie wir – nämlich mitmachen. Also gibt es erst einmal Kaffee am Campingplatz. Gemütlicher geht es kaum. Doch dann kommt die Zahnbürste ins Spiel. Martin hatte das gute Stück inzwischen auseinandergebaut und offenbar sogar erfolgreich repariert. Alles bestens! Denkste.

Plötzlich meldet sich das Teil in der Stille wieder munter zu Wort. Offenbar hat unsere Zahnbürste ihren eigenen Kopf und beschlossen, uns noch ein bisschen zu beschäftigen. Also radle ich kurzerhand wieder zum Intermarché und kaufe eine neue. Problem gelöst. Hoffentlich! Und plötzlich klappt es doch!

Während ich gerade diesen Reisebericht schreibe, kommt Martin von seinem zweiten Angelausflug zurück. Und siehe da – diesmal gibt es tatsächlich etwas zu erzählen! Nachdem er zunächst ein paar Franzosen beim Angeln beobachtet hat, scheint die Inspiration endlich gewirkt zu haben. Ich habe kurzerhand eine Crevette geopfert – und siehe da: Neues Spiel, neues Glück!

Zack – eine Dorade hängt am Haken! Na bitte, geht doch! Martin hat seinen Fisch und ich kann mich entspannt zurücklehnen. Die Crevette hat ihren Dienst erfüllt und ist damit wohl das erfolgreichste Mitglied unserer Reisegruppe.

Drei Nächte am Moulin d’Aurore

Inzwischen haben wir drei Nächte auf dem Campingplatz Moulin d’Aurore verbracht. Der Platz liegt direkt am Meer und hat sogar einen eigenen Ausgang zum Strand. Dazu gibt es eine tolle Bar, viele Bäume und eine herrlich entspannte Atmosphäre. Die Stellplätze darfst Du Dir selbst aussuchen, allerdings solltest Du Dich auf teilweise ziemlich unebenen Untergrund einstellen. Die Sanitäranlagen sind sauber – allerdings ohne Klopapier. Für manche Menschen ist das vermutlich ein entscheidendes Detail. Uns ist es ziemlich egal. Für uns zählt das Gesamtpaket – und das stimmt hier einfach.

Unser Fazit: absolut empfehlenswert!

Boulangerie mit Suchtpotenzial

Ein besonderes Highlight findest Du direkt neben der Einfahrt zum Campingplatz: die Boulangerie Moulin.
Hier wird noch richtig handgemacht und das schmeckt man auch. Das beste traditionelle Baguette, das wir auf unserer bisherigen Reise gegessen haben, kommt tatsächlich von hier. Dazu gibt es richtig gute Croissants. Was will man mehr?

Wir wünschen guten Appetit! 

Concarneau2

Concarneau – Wind, Wellen und ein bisschen Slalom

Auf unserem neu entdeckten Campingplatz fühlen wir uns inzwischen richtig wohl. Also verlängern wir kurzerhand um eine Nacht. Schließlich soll Martin morgen in Ruhe angeln können. Und der Wind? Der soll laut Wetterbericht mit seinen 5 Bft endlich das Weite suchen. Perfekt! Dann kann ich meinen eigenen Plan verfolgen: schwimmen gehen. 

Denn heute haben wir tatsächlich den Ausgang vom Campingplatz direkt zum Strand entdeckt. Warum wir den erst jetzt gefunden haben? Keine Ahnung. Aber Hauptsache, er ist da! Mit dem Fahrrad zum Fort de Cabellou. Heute schwingen wir uns auf die Fahrräder und fahren zum Fort de Cabellou. Viel Festung ist von der ehemaligen Anlage zwar nicht mehr übrig – dafür gibt es eine fantastische Aussicht.

Allerdings müssen wir uns diese Aussicht erst einmal erarbeiten. Sobald wir aus dem Windschatten herauskommen, bläst uns der Wind fast um. Der Blick hinaus auf den Atlantik ist grandios. Und nach sieben Tagen Bretagne sehen wir endlich das, worauf wir gewartet haben: richtige Wellen! Nicht nur ein bisschen Gekräusel auf dem Wasser, sondern ordentlich Bewegung. Der Atlantik zeigt, dass er es durchaus kann.

Auf der Suche nach dem perfekten Angelplatz

Danach gehen wir noch auf Expedition. Schließlich muss für morgen der perfekte Angelplatz gefunden werden. Einen Wanderweg rund um einen See entdecken wir tatsächlich auch. Klingt prima – wäre da nicht das kleine Problem mit den Fahrrädern. Die lassen sich nämlich nicht vernünftig abstellen. Und da wir unsere Räder ungern irgendwo an der Leitplanke der Straße abstellen, wird aus dem schönen Wanderweg zunächst einmal nichts.

Zu Fuß zur Ville Close

Während mein Liebster anschließend noch fleißig Angelknoten lernen möchte, mache ich mich zu Fuß auf den Weg. Der Küstenweg zur Fähre führt wunderschön am Wasser entlang und bringt mich direkt zur Überfahrt auf die Ville Close, die berühmte befestigte Altstadt von Concarneau. Im Vergleich zu gestern Abend ist heute allerdings deutlich mehr los. Aber keine Sorge: Ich beherrsche den touristischen Slalom inzwischen perfekt. Links ausweichen, rechts vorbei, kurz lächeln und weiter. Natürlich bleibe ich für Dich nicht einfach auf den üblichen Touristenwegen. Ich biege auch mal in die Straßen dahinter ab und suche nach interessanten Ecken. Viel Spektakuläres finde ich dort allerdings nicht. Aber immerhin kann ich sagen: Ich habe nachgesehen!

Auf dem Rückweg treffe ich dann wieder Martin – diesmal mit einer ordentlich verknoteten Angelleine. Der Fang? Natürlich Algen. Was sonst? Immerhin hatte sich zusätzlich noch ein großer Seestern an der Leine eingenistet. Den haben wir natürlich schnell wieder ins Wasser gesetzt. Der eigentliche Fang des Tages war allerdings etwas ganz anderes: Martins Fahrradhelm! Der hatte sich bei dem kräftigen Wind selbstständig gemacht und war prompt im Wasser gelandet. Zum Glück hatte Martin seine Angel dabei. So konnte er nicht nur Fische fangen, sondern ganz nebenbei auch noch seinen Fahrradhelm retten. ??

Morgen wird Angeltag. Martin bekommt seine Angel, und ich bekomme hoffentlich meine Schwimmrunde. Denn das Wasser hat hier tatsächlich angenehme 20 Grad. Jetzt muss ich nur noch entscheiden, ob ich wirklich mutig genug bin, hineinzuspringen. Schließlich kann man bei 20 Grad ja nicht mehr behaupten, das Wasser sei kalt. Mal sehen, ob ich morgen zur Meerjungfrau werde – oder doch lieber nur die Füße hineinhalte! 🏊‍♀️🌊

Concarneau

Von Brignogan nach Concarneau – mit Eichelbombardement

Von Brignogan aus machen wir erst einmal einen kleinen Frühstücksstopp am Fluss L’Aulne in Port-Launay. Ein wirklich schnuckeliger Ort mit einem netten Parkplatz – genau das Richtige für eine kleine Pause, bevor es weiter nach Concarneau geht.

Dort wollen wir unser Glück auf dem gewünschten Campingplatz Les Sables Blancs versuchen. Eine Antwort auf unsere Reservierungsanfrage haben wir zwar nicht bekommen, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Tja – gewonnen haben wir leider nicht. Der Platz ist voll. Also Plan B: Wir fahren auf die andere Seite der Ville Close und landen beim Camping Du Moulin L’Aurore. Der liegt herrlich unter alten Eichen, teilweise sogar mit Meerblick. Eigentlich perfekt!

Allerdings haben die Eichen offenbar beschlossen, unseren Kastenwagen als Zielscheibe zu benutzen. Bei ordentlich Wind und einem Regentag hageln die Eicheln mit einem solchen Getöse auf das Dach, dass wir jedes Mal zusammenzucken. Hui, hui, hui! Kurz fühlt sich das an wie ein Bombenangriff – nur eben mit Eicheln statt Granaten. Herzinfarkt inklusive. 

Erst einmal zum Decathlon

Nach der Ankunft bleibt noch etwas Zeit. Also schwingen wir uns auf die Fahrräder und radeln zum Decathlon. Martin braucht natürlich noch Angelzubehör – schließlich kann man ja nie genug Ausrüstung haben. Auf dem Weg begegnen uns einige Teddys, die haben hier echt einen Fetisch, was das betrifft. 

Unterwegs entdecken wir auch das Schloss, das uns vorher schon auf den Schildern aufgefallen ist. Es befindet sich in Privatbesitz, kann aber besichtigt werden und liegt wirklich wunderschön. Von dort geht es schließlich bergab Richtung Ville Close – und bergab fährt es sich bekanntlich besonders angenehm!

Concarneau und seine historische Ville Close

Natürlich wollten wir anschließend auch Concarneau nochmal erkunden. Das Herzstück der Stadt ist die Ville Close, die historische, von mächtigen Mauern umgebene Altstadt, die auf einer kleinen Insel im Hafen liegt. Durch die alten Stadttore geht es hinein in ein Gewirr aus engen Gassen, kleinen Geschäften und Restaurants. Überall gibt es etwas zu entdecken – alte Häuser, maritime Details und natürlich jede Menge bretonisches Flair.

Besonders schön fanden wir den Rundgang auf den Festungsmauern. Von hier oben eröffnet sich ein toller Blick über den Hafen, das Meer und die Stadt. Da wird schnell klar, warum Concarneau zu den bekanntesten Orten der bretonischen Küste gehört.

Ville Close – heute ganz entspannt

Die Ville Close haben wir bereits im Mai besucht. Damals war wegen eines Feiertags ordentlich was los – Menschenmassen statt gemütlichem Bummeln. Heute sieht das ganz anders aus: Kaum Menschen! Herrlich! Wir genießen die ungewohnte Ruhe, trinken gemütlich ein Bier und lassen das bretonische Leben ein bisschen an uns vorbeiziehen. Anschließend schlendern wir durch die Gassen zurück zu unseren Fahrrädern.

Und natürlich können wir nicht einfach so gehen. In einer Bäckerei entdecken wir Kouign-Amann, die berühmte bretonische Spezialität. Aus „ein bisschen kaufen“ wird wie so oft bei uns spontan „ein bisschen viel“. Aber mal ehrlich: Bei dieser buttrig-karamelligen Versuchung wäre Zurückhaltung auch irgendwie unhöflich. Einfach lecker! 😋