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Dieppe

Dieppe – Geschichte zum Anfassen über der Alabasterküste

Hoch über der Stadt: das Château de Dieppe

Schon der Weg hinauf zum Château de Dieppe ist ein kleiner Perspektivwechsel: Dieppe liegt plötzlich unter uns, während wir uns Schritt für Schritt in die Geschichte der Stadt bewegen.

Die Burg thront auf dem Hügel wie ein stiller Wächter aus Stein. Massive Mauern und verwitterte Türme – hier oben merkt man schnell: Das war nie nur ein dekoratives Bauwerk, sondern ein strategischer Posten mit klarer Ansage. Heute wirkt alles entspannter, fast gelassen. Drinnen erzählen Ausstellungen von Seefahrt, Kunst und der bewegten Vergangenheit der Region, welche wir nicht besucht haben.

Altstadt: schön, verwinkelt – und ein kleines bisschen „kreiselig“

Wieder unten tauchen wir ein in die Altstadt von Dieppe, die ihre charmante Seite zeigt. Kleine Gassen, helle Fassaden und Cafés. Man läuft nicht einfach durch – man schlendert automatisch, lässt sich treiben, biegt noch schnell hier und da ab… und genau da passiert es: Die Stadt hat eine kleine Überraschung eingebaut.

Denn wer denkt, er könne am Ende der Nebengassen einfach elegant seitlich auf die Hauptstraße „abkürzen“, irrt sich. Geht nicht, wir haben alles versucht. Stattdessen heißt es: einmal tief durchatmen, eine Umdrehung zur eigenen Orientierung aufnehmen oder google.maps aufrufen – und dann wieder alles zurück zum Anfang. So war der weg zum geparkten Auto doppelt so weit.

Auf unserer Reise merken wir ziemlich schnell: Große Städte sind nett – aber nicht so ganz unser Ding. Zu laut, zu voll und zu viel. Viel lieber ziehen uns die kleinen, verträumten Orte an, in denen die Zeit ein bisschen langsamer zu ticken scheint und man einfach durchatmen kann. So ist die Entscheidung schnell gefallen: Weiter geht’s – Richtung Criel-sur-Mer

Sotteville-sur-Mer

Zwischenstopp L´Escalier de Sotteville

Die historische Treppe ist wohl das Wahrzeichen des Ortes. Über gefühlte 200 in den Felsen gehauene Stufen (wer zählt die schon genau? gelangen wir zwischen den Klippen hinab an den Strand. Früher haben hier wohl eher gestandene Fischer den Weg genommen. Heute sind es wir – mit Kamera, Staunen und der leisen Frage, ob die Knie das wirklich genauso romantisch finden wie der Kopf.

Ein direkter Abstieg ans Wasser, eingerahmt von Fels, Geschichte und einer ordentlichen Portion „Wow“. Beeindruckend genug, dass man automatisch langsamer geht, oder gar nicht erst los wie mein Mann.

Gratis-Fußbad inklusive

Und dann war da kurz davor noch der kleine Extra-Service von oben: Regen! Kleine Rinnsale werden zu fröhlichen Mini-Bächen, ziehen sich über die Stufen und spritzen bei jedem Schritt leicht auf. Die Sandalen, eben noch optimistisch trocken, geben spätestens nach ein paar Metern resigniert auf.

Unten angekommen öffnet sich die enge Treppenschlucht zum grau-blauem Meer und die Alabaster-Klippen steigen wieder steil auf wie eine gewaltige Wand. Von hier unten wirkt die Treppe noch eindrucksvoller.

Unten: La Mer

Unten angekommen öffnet sich die enge Treppenschlucht plötzlich wie ein Vorhang. Vor uns liegt der Strand, das Meer in gedämpftem Grau-Blau, und die Alabasterklippen ragen neben mir wieder steil in den Himmel – wie eine Wand, die sagt: „Zurück geht’s nur über die vielen Stufen.“

Von hier unten wirkt die Treppe noch beeindruckender. Nicht mehr nur als Weg, sondern als kleine, steinerne Mutprobe mit Meerblick – und einem sehr beschwerlichem Aufstieg mit Atemnot.

Veules-les-roses

Spaziergang durch Veules-les-Roses

Veules-les-Roses hat uns sofort mit seinem besonderen Charme verzaubert. Das kleine Küstendorf in der Normandie wirkt wie aus einem Bilderbuch: Zwischen blühenden Gärten, historischen Häusern und alten Wassermühlen schlängelt sich die Veules, der kürzeste Fluss Frankreichs, gemächlich bis zum Meer.

Bei einem Spaziergang entlang des Flusses entdeckt man immer wieder liebevoll gepflegte Gärten, kleine Brücken und versteckte Winkel. Besonders schön ist die Mischung aus dem sanften Grün des Tals, den weißen Kreidefelsen und dem Blick auf den Strand, an dem sich Himmel und Meer begegnen.

Überall spürt man die ruhige und entspannte Atmosphäre des Ortes. Die zahlreichen Rosen, die dem Dorf seinen Namen geben, verleihen ihm zusätzlich eine romantische Note.

Auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen

Schon auf dem Regenradar hatten wir gesehen, dass sich ein Schauer anbahnte. Kein Problem, dachten wir – bis uns einfiel, dass unser Regenschirm noch in Fécamp unter dem Auto lag. Tja, Pech gehabt!

Als die ersten Tropfen fielen, musste schnell ein trockener Unterschlupf her. Zur Auswahl standen das stille Örtchen an der Strandpromenade oder ein verlassener Verkaufsstand mit Dach. Unsere Wahl fiel auf den Verkaufsstand – und offenbar hatten viele andere dieselbe Idee. Innerhalb weniger Minuten füllte sich unser improvisiertes Refugium mit immer mehr Menschen. Nach einer Viertelstunde war der Spuk vorbei und die Sonne zeigte sich wieder.

Vom Mülleimer zum schönsten Regenschirm

Nun stand fest: Ein neuer Regenschirm musste her! In einem kleinen Geschäft mit allerlei hübschen Auslagen fragten wir nach einem Schirm. Nun ja – die Verkäuferin sprach nur Französisch, und mein Mann verwechselte ausgerechnet das entscheidende Wort. Statt nach einem Regenschirm fragte er nach einem Mülleimer! Kein Wunder, dass unsere Gesten zunächst für Verwirrung sorgten.

Doch die freundliche Dame erwies sich als echte Spürnase. Sie verschwand kurzerhand für ein paar Minuten im Hausflur und kam strahlend mit einem wunderschönen Parapluie zurück – im eleganten Gothic-Stil und sogar mit einer Thermo-Innenseite. So einen außergewöhnlichen Regen- und Sonnenschirm hatten wir noch nie besessen!

Seitdem hat unser neuer Begleiter seinen festen Platz im Auto. Und jedes Mal, wenn wir ihn benutzen, denken wir schmunzelnd an diese nette Begegnung und an den „Mülleimer“, der uns zu unserem wohl schönsten Regenschirm überhaupt geführt hat.

Beim Bummel durch die kleinen Orte der Normandie fallen immer wieder die kunstvollen Metallschilder über den Geschäften auf. Liebevoll geschmiedet und oft reich verziert, hängen sie wie kleine Kunstwerke über Bäckereien, Cafés oder Boutiquen. Der Bär hat sich bewegt und musste umbedingt dazu.

Mit ihren verschnörkelten Formen, nostalgischen Motiven und ihrem historischen Charme tragen sie ganz wesentlich zum besonderen Flair der normannischen Dörfer bei. 

Fecamp

Fécamp – Hafenstadt an imposanter Steilküste

Fécamp liegt an der normannischen Alabasterküste und verbindet maritimes Leben, Geschichte und Natur. Die Stadt wird von einer hohen Steilküste eingerahmt, die sich spektakulär über dem Ärmelkanal erhebt und Fécamp eine besondere Kulisse verleiht.

Im Herzen der Stadt liegt der lebendige Hafen, der seit Jahrhunderten das Zentrum des Fischfangs ist. Noch heute prägen Fischerboote, Werften und maritime Traditionen das Bild. Beim Spaziergang entlang der Kais spürt man die enge Verbindung der Stadt zum Meer – rau, authentisch und zugleich voller Charakter.

Ein kulturelles Highlight ist die imposante Benediktinerabtei, die mit ihrer neugotischen und neugotischen Architektur zu den markantesten Bauwerken der Region zählt. Diese konnten wir leider wegen einer Demonstration nicht besichtigen.

Oberhalb der Stadt öffnen sich beeindruckende Aussichtspunkte entlang der Klippen. Von hier reicht der Blick weit über die Küste, das Meer und die Dächer der Stadt. Besonders bei wechselndem Licht entfaltet die Landschaft ihre ganze Dramatik und Schönheit.

Unser Campingplatz Bel Village de Reneville lag im Berghang. Von dort aus kann man einen kleinen Pfad direkt zum Strand gehen. Die Plätze sind allerdings sehr unausgeglichen und tlw. schräg.

Octeville-sur-mer

Octeville-sur-Mer – Weite Ausblicke von der normannischen Steilküste

Nur wenige Kilometer oberhalb von Le Havre liegt Octeville-sur-Mer, ein ruhiger Ort, der vor allem durch seine Lage an der beeindruckenden Steilküste der Normandie besticht. Hier oben weitet sich der Blick und eröffnet ein Panorama, das zu den eindrucksvollsten der Region zählt.

Besonders reizvoll ist der Aussichtspunkt an der Küste, von dem aus man weit über den Ärmelkanal blicken kann. Die Anfahrt war etwas holprig auf der kleinen Straße. Bei klarer Sicht verschmelzen Himmel und Meer am Horizont, während die Küstenlinie sich in sanften Bögen in die Ferne zieht und verleihen dem Ort eine besondere, fast meditative Stimmung.

Die Umgebung ist geprägt von grünen Wiesen, Feldern und einem angenehmen Gefühl von Ruhe. Anders als an den belebteren Küstenorten der Normandie geht es hier entspannt zu. Spaziergänge entlang der Klippenwege bieten immer wieder neue Perspektiven auf das Meer und die darunter liegende Küste.